Landsberger Straße 40/43
Küstrin-Neustadt
Die Firma wurde am 15.9.1937 gegründet und war der Nachfolger der "Küstriner Maschinenfabrik und Eisengießerei G.m.b.H." Dieser Vorgängerbetrieb war 1932 aus der insolventen A. Wagener Maschinenfabrik hevorgegangen und musste selbst - ebenfalls im September 1937 - Konkurs anmelden.
Persönlich haftende Gesellschafter der Oder-Hütte Franck & Co. KG waren der Fabrikbesitzer Oskar Wiederholz in Brandenburg/Havel und der Ingenieur Gerhard Franck in Gevelsberg/Westfalen.
- Dampfmaschinen
- Grauguß jeder Art
- Kartoffeltrocknungsanlagen
- Maschinen für Spiritusbrennereien
Die Firma scheint schon früh von der Aufrüstung im Dritten Reich profitiert zu haben und war – wenn man die Häufigkeit der Erwähnungen in den Kriegstagebüchern des Rüstungskommandos Frankfurt (Oder) zugrunde legt - einer für den Rüstungssektor wichtigeren Betriebe in der Stadt. Man findet dort auch detaillierte Angaben zur Art der produzierten Waffen und über Fertigungsprobleme. Im Jahre 1940 waren nur noch rund 25% der Produktion der Oderhütte ziviler Natur (Reparaturen und Produktion von Ersatzteilen), 75% war militärisch. Stand 2. April 1941 arbeiteten in der Oderhütte 297 Menschen.
Am 24.1.1940 meldete die Firma an das Rüstungskommando, ihr sei von der Industrie- und Handelskammer eine Einschränkung des Energieverbrauchs um 20% auferlegt worden. Nach einer Intervention des Rüstungskommandos bei den beteiligten Stellen hieß es, Zitat: „… dass die von der Firma gemeldete Massnahme voreilig angeordnet worden ist. … “ Die Auflage wurde umgehend zurückgezogen.


Die Oderhütte produzierte wohl überwiegend Granaten verschiedenen Typs – im März 1940 waren das Granaten des Typs „F.H.GR.STg“ (Feldhaubitzen-Granaten ?). Am 21.3.1940 meldete man Probleme bei der Beschaffung von „Mundlochbuchsen“, trotzdem plante das Rüstungskommando einige Tage später (27.03.), die Produktion der Firma von 4.000 auf 6.000 Stück pro Monat zu steigern. Die dafür noch erforderlichen drei Drehbänke wollte das Kommando besorgen. Im April war die Firma aber nicht einmal in der Lage, das bisherige Monatssoll von 4000 Exemplaren zu erreichen, da noch immer die benötigten Buchsen fehlten.
Am 12.8.1940 fand eine Prüfung im Betrieb statt, da die Oderhütte einen „Wehrmachtverpflichtungsschein“ im Wert von 160.000 RM erhalten hatte, und der Firma vorgeworfen wurde, ihren Lieferpflichten nicht nachgekommen zu sein. Wie sich aber herausstellte, hatte die Firma bereits 17.200 Stück der Feldhaubitzen-Granaten (?) gefertigt – konnte aber noch keine Rechnung schreiben, da noch immer die Mundlochbuchsen fehlten. Im September des Jahres hatte die Oderhütte neben den genannten Granaten noch weitere Aufträge mit „Dringlichkeitsstatus I“ und „Sonderstatus“ erhalten. Zu diesem Zeitpunkt setzte man 20 Zwangsarbeiter (Kriegsgefangene) ein.
Ab 1.4.1941 sollte die Oderhütte monatlich 6.000 8,8 cm-Sprenggranaten für die Marine fertigen. Die Einweisung die die Fertigung sollte durch die Firma Zinke in Landsberg (Warthe) erfolgen. Im Januar 1942 steuerte man schon wieder um, bei einem Gespräch in der Dienststelle des Kommandos erörterte man mit den beteiligten Firmen die Umsteuerung von den 8,8 cm-Granaten für die Marine auf die bisher produzierten Feldhaubitzen-Granaten für das Heer. Das Ergebnis war, dass die Oderhütte nun doch weiter die Feldhaubitzen-Granaten des Typs F.H.Gr. Stg. bzw. F.H.Gr. Pr. produzieren sollte, nun allerdings 6.000 bis 10.000 Stück pro Monat. Die Fertigung der 8,8 cm-Granaten wurde an eine andere Firma delegiert. Einen Teil der Produktionssteigerung konnte die Oderhütte durch Verstärkungen der Nachtschichten erreichen.
Im August des Jahres hatte die Firma aber noch immer mit Materialmangel zu kämpfen, diesmal fehlten Preßstahl- und Stahlgußrohlinge. Am 20.8.1942 vermerkte man auch: „Fertigung DOV T noch in der Vorbereitung“. Ende August 1942, am 28.8., wurde der Oderhütte und weiteren Firmen durch die Rüstungsinspektion III, Abt. Heer mitgeteilt, dass sie nur mit 50% der benötigten Rohlinge für die Feldhaubitzen-Granaten versorgt werden könnten. Arbeitskräfte sollten wenn möglich beurlaubt werden, man solle sich aber bemühen, Abwanderungen zu vermeiden.
Im Februar 1944 gab es aufgrund fehlender Reichsbahnwagen Probleme, die Rüstungsunternehmen mit der nötigen Kohle zu versorgen. Trotzdem wurden die von der Oderhütte angemeldeten (Sonder-)Bedarfe „in Anbetracht ihrer wehrwirtschaftlichen Notwendigkeit“ vom Rüstungskommando Frankfurt (Oder) befürwortet.
Das geforderte Soll konnte die Oderhütte oft nicht erreichen (siehe Tabelle), die Gründe waren unterschiedlich. Neben fehlendem Material lag es mal an fehlenden Arbeitskräften, an Werkzeugmaschinenumstellungen oder auch an der sehr unterschiedlichen Qualität der gelieferten Rohlinge. Im Mai 1944 produzierte man Granaten des Typs „le.F.H.Gr.38 Pg“, aufgrund der schwankenden Qualität entschied man sich, nur noch Rohlinge von zwei Lieferanten zu Verarbeiten. Des weiteren wird am 19.5.1944 bemerkt, die „Anlaufschwierigkeiten bei der „8 cm Wgr. 34“ seien überwunden“.
Produzierte Typen und Mengen
| 10,5 cm Sprgr. 43 | DOVT 15 Spr. | F.H.Gr. 38 | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Monat | Soll | Ist | Soll | Ist | Soll | Ist |
| März 1944 | 25.000 | 17.277 + 5.186* | 2.000 | 1.150 | ||
| April 1944 | 25.000 | 18.000 + 3.000* | 2.000 | 1.900 | ||
| Mai 1944 | 25.000 | 21.474 | ||||
| Juli 1944 | 20.000 | 20.138 | ||||
* als Abwurfmunition
Produzierte Typen von Granaten
- F.H.Gr. Stg. / F.H.Gr. Pr. (Feldhaubitzen-Granaten ?)
- F.H.Gr. 38
- le.F.H.Gr. 38 Pg
- 8,8 cm-Sprenggranaten (Marine)
- 8 cm Wgr. 34
- 10,5 cm-Sprgr. 43
- DOV T Spr.
Quellen:
- Albert Gieseler / www.albert-gieseler.de
- Eigene Recherchen
- Deutscher Reichsanzeiger
- Rüstungskommando Frankfurt Oder, Kriegstagebuch mit Anlagen, Band 1 und 2; Bundesarchiv, Signaturen RW 21-20/2 und RW 21-20/3
- Rüstungskommando Frankfurt Oder, Kriegstagebuch, Band 1 bis 7; Bundesarchiv, Signaturen RW 21-20/4 bis RW 21-20/10