Küstrin - Die Stadt an Oder und Warthe
Die Geschichte der ehemaligen Festungs- und Garnisonstadt auf Cuestrin.de

Die Schlacht um Zorndorf

Quellen: "Die Schlachten und Hauptgefechte des siebenjährigen Krieges" und "Allgemeine deutsche Real-encyklopädie für die gebildeten Stände". Beide Bücher gelten als "Gemeinfrei" und können in der Google-Büchersuche eingesehen und heruntergeladen werden. Die Rechtschreibung der Originale wurde beibehalten.

[...] Zorndorf, ein Dorf im küstriner Kreise des Regierungsbezirks Frankfurt in der preuß. Provinz Brandenburg, ist in der Geschichte berühmt durch die Schlacht am 25. und 26. Aug. 1758, welche die blutigste und eine der merkwürdigsten des Siebenjährigen Kriegs (s.d.) war. Das russ.Heer, das im Anfange des J. 1758 unter dem General Fermor, der an die Stelle des Grafen Avrarin gekommen war, das entblößte Königreich Preußen besetzt hatte, rückte im Aug. gegen Pommem und die Neumark vor, verheerte das Land und begann den Angriff von Küstrin. Die Stadt wurde in Asche gelegt, die Festung aber widerstand, da der preuß. Feldherr, Graf von Dohna, obgleich zu schwach, dem zahlreichen Heere der Russen eine Schlacht zu liefern, sich jenseit der Oder aufgestellt hatte und von da aus die Besatzung verstärkte. Schon am 20. Aug. langte der König lm Hauptquartiere an, und am 23. folgten ihm die aus Schlesien mitgebrachten Truppen, sodaß nun die preuß. Armee etwa 30,000 M. stark war, worauf der Übergang über die Oder stattfand und bei Klossaw ein Lager errichtet wurde. [...] Die Armee des Königs bestand in der Schlacht aus:

38 Bataillonen oder 22800 M. Infanterie,
83 Eskadrons oder 9960 M. Kavallerie
=32760 Mann.

An Artillerie:

bei 38 Bataillonen 76 leichte Kanonen,
Reserve-Artillerie 117 schwere Geschütze
= 193 Geschütze

also ebenfalls nahe an 6 pro Mille.

Die Reserve-Artillerie zählte nach Tempelhof:
2 leichte 24Pfünder,
85 schwere 12Pfünder,
30 Haubitzen.

In dieser unverhältnißmäßig starken Artillerie liegt der Beweis, wie genau der König seine Gegner kannte, und wie nothwendig er es hielt, der übergroßen Geschützmenge des Feindes, so viel es sich thun ließ, das Gleichgewicht zu halten; vielleicht hat auch die nachgerade gewonnene Ueberzeugung, daß, wenn man die beiden Hauptwaffen des Heeres schonen wolle, man nothgedrungen eine zahlreiche Artillerie haben müsse, das Ihrige dazu beigetragen. Die Russische Armee, welche durch Detaschirungen und Besatzungen in rückwärts gelassenen Städten bedeutend geschwächt war. zählte in der Schlacht, im Verein mit dem Observationskorps

76 Bataillone
51 Eskadrons *)
zusammen 50- bis 52000 Mann.

Dabei befanden sich:

152 3pfündige Bataillonskanonen,
18 2pfündige Einhörner,
220 Reserve-Geschütze,
=390 Geschütze

also 7 1/2 pro Mille. So sehr wächst im Kriege das Anzahlverhältniß der Artillerie zu den anderen Truppen, wenn diese durch Besatzungen, Detaschirungen sich schwächen müssen. Wieviel Schuwalows sich bei der Armee befunden Haben, ist eben so wenig bekannt, als daß ihre Wirkung besonders hervorgetreten wäre. Es ist überhaupt ein sehr problematischer Vortheil, geheime Geschütze oder Geschosse bei einer Armee zu haben. Der Feind fürchtet sie nicht, weil er sie nicht kennt, und der Freund versteht sie nicht zu gebrauchen, weil er keine Uebung darin hat. Vor den Mündungen der Schuwalows lagen Vorhängeschlösser, aber dergleichen reizt blos die Neugierde, ohne die Kunst zu befriedigen. Später war es mit den Brandraketten beinahe eben so, deren Meister uns bis auf den heutigen Tag den Lehrbrief schuldig geblieben sind.[...]

[...] Sobald der General Fermor davon Nachricht erhalten, hob er die Belagerung von Küstrin auf und stellte sich vor Z. auf, mit dem rechten Flügel an der Mützel und mit dem linken an der drewitzer Haide. Der König rückte am 24. Nachmittags bis an die Mützel, hinter der er die Nacht stehen blieb, aber am folgenden Morgen halb 4 Uhr in zwei Colonnen über dieselbe, und über Betzlow auf die bei Z. stehenden Russen los. Diese hatten ihre Stellung verändert und machten ein Quarr� mit ein- und ausgehenden Winkeln, die Cavalerie und das Gepäck in der Mitte desselben. Als der König einsah , daß der beabsichtigte Angriff auf die rechte Flanke der Russen wegen des sumpfigen Grundes bei Quartschen nicht ausführbar sei, ließ die Armee aufmarschiren, mit dem linken Flügel hinter Z., mit dem rechten bis 800 Schritte vor Wilkersdorf, die Infanterie der Avantgarde 250 Schritte vor dem linken Flügel des ersten Treffens, und neben letztem die Cavalerie; 85 zwölfpfündige Kanonen und 30 Haubitzen waren, vor der Fronte in Batterien vertheilt; 58 Regimentestücke befanden sich bei der Avantgarde und in erster Linie.

Das Feuer des preuß. Geschützes that im Quarr� so heftige Wirkung, daß der General Fermor sich genöthigt sah, die Reiterei und das Gepäck aus dem Quarr� herausgehen zu lassen. Jetzt ging der General Manteuffel mit der Avantgarde auf die Russen los; weil jedoch der linke Flügel des ersten Treffens sich hinter Z. befand und rechts vorbei ging, kam er nicht wieder hinter die Avantgarde, sondern neben dieselbe, sodaß diese ohne Unterstützung war, als sie noch weiter vorrückte, und nun ihre linke Flanke frei ward. Es war daher der russ. Cavalerie ein Leichtes, auf die acht Bataillone einzubrechen und sie bis Z. zurückzutreiben. Da stürzte sich Seydlitz mit der noch hinter Z. stehenden Cavalerie auf die russ. und warf sie, während die Gendarmen, Garde du Corps und die Dragoner von Platen aus die feindliche Infanterie einhieben, die hier das Quarr� geöffnet hatte und mit Siegesgeschrei die Preußen verfolgte, aber dabei selbst in Unordnung gekommen war. Der bis jetzt unthätig gebliebene rechte Flügel der Preußen sollte um Mittag den noch unberührten linken angreifen. Das zu dem Ende mit der rechten Flügelbatterie etwas weit vorgegangene Bataillon Kreutz ward aber von der wieder gesammelten russ. Cavalerie umringt und gefangen, zugleich die Batterie erobert.

Beide wurden jedoch durch fünf preuß. Cavalerieregimenter wieder befreit und die Russen bis in die Sümpfe getrieben. Ein anderer geringer Theil lhrer Cavalerie hieb unterdessen auf den linken Flügel der preuß. Infanterie ein und warf diese in Unordnung zurück. Jetzt flog Seydlitz zum zweiten Male mit seinen Reitern herbei, warf sich in die entstandene Lücke und verjagte den Feind bis weit über das Schlachtfeld in den Morast bei Quartschen. Gleichzeitig hatte die Infanterie des preuß. rechten Flügels den linken des Feindes durchbrochen, der nun auch , von der siegenden Eavalerie angefallen, sich auflöste, sodaß ein wüster Hausen von Freund und Feind vermischt entstand, wo man sich ohne Ordnung mit Bajonnet, Säbel und Flintenkolben schlug. Nur mit Mühe gelang es den russ. Generalen, einige Tausende der Fliehenden zu sammeln, weil die abgebrochene Brücke über die Mützel ihnen den Übergang verwehrte. Beide Theile blieben die Nacht über stehen, geschieden durch den Galgengrund, die Preußen mit dem rechten und die Russen mit dem linken Flügel gegen Quartschen. Am folgenden Tage begann zwar die Kanonade von Neuem, es fehlte jedoch beiden Theilen an Munition ; die Russen zogen sich daher in der Nacht des 26. zurück. Sie hatten 939 Offiziere und 20,590 M. an Tohten, Verwundeten und Gefangenen verloren, nebst 103 Geschützen, 27 Fahnen und einem Theile der Kriegskasse. Der Verlust der Preußen betrug in Allem 11,300 M., 26 Kanonen und einige Fahnen.[...]

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