Nach der erzwungenen Vereinigung der lutherischen und reformierten Kirche in Preußen (1817-1830) entstand die altlutherische Gemeinde in Kiehnwerder (bei Letschin im Oderbruch) als Filialgemeinde von Angermünde. Als spätestes Gründungsjahr kann 1837 genannt werden, da das Sterberegister in diesem Jahr begann. Die Kirchenbücher mit den Taufen und Konfirmationen begannen 1838, die Trauungen 1839. Die Bücher aus dem Zeitraum von 1838 bis 1847 gelten als verschollen, ein Kirchenbuchduplikat aus dem Zeitraum von 1848 - 1874 wurde vor kurzem im ELAB (http://www.landeskirchenarchivberlin.de/) wieder entdeckt. Im Jahr 1848 wurde die Gemeinde Kiehnwerder selbständig. Küstrin gehörte ebenfalls zu dieser Gemeinde und wird seit 1866 als Predigtort genannt. In den Kirchenbüchern wird die Stadt erstmalig im Jahr 1868 erwähnt.

Auch Landsberg/Warthe, Müncheberg, Lebus und Tirpitz gehörten zum Gemeindebezirk Kiehnwerder. In den mir vorliegenden Unterlagen wird Küstrin im Jahre 1911 erstmals als 2. Gemeinde des Pfarrbezirks genannt, vorher hatte die Stadt nur den Status eines Predigtortes. Die Gemeinde Küstrin war die zweite Gemeinde neben Kiehnwerder. Landsberg/Warthe war ab diesem Jahr als Predigtort der Gemeinde Küstrin unterstellt.

Ab 1924 hiess der Pfarrbezirk Kiehnwerder-Küstrin. Zur Gemeinde Küstrin gehörte ab diesem Jahr auch noch Müncheberg. Ein Jahr später wurde Landsberg/Warthe eine eigenständige Gemeinde, Lebus und Tirpitz (bei Lebus) kamen noch als Gemeinden zum Pfarrbezirk hinzu.

In den Jahren 1893/94 wurden die Gottesdienste laut Quelle in der kurzen Vorstadt bei Tischlermeister Gorbahn durchgeführt, zwischen 1901 und 1904 im städtischen Armenhaus (Lange Vorstadt 109c). Im Wohnungsanzeiger der Stadt Küstrin gibt es unter der Adresse "Lange Vorstadt 109" einen Tischlermeister Hermann Gorbahn (1883) bzw.  Fritz Gorbahn (1907/08). 1905 wird die Warnicker Straße 12 I als Predigtort genannt, ab 1906 die am 26.11.1905 geweihte Kirche in der Warnicker Straße 15. Sie steht als einzige der Küstriner Kirchen noch heute. Sie wurde am 16.06.1946 nach einer notdürftigen Reparatur durch den Apostolischen Administrator Nowicki aus Landsberg/Warthe (Gorzow) katholisch, dem Herzen Jesu, geweiht. Ab dem Jahr 1936 führte der Pfarrbezirk seine Kasse (Parochialkasse) bei der Küstriner Stadtsparkasse. Die altlutherische Gemeinde in Küstrin existierte bis zur Evakuierung der Stadt am 19. Februar 1945. Bis Mai 1945 befand sich die Kirchenleitung der Evangelisch-lutherischen Kirche in Preußen, das Oberkirchenkollegium, in Breslau.


Was die unterschiedlichen Angaben Kurze / Lange Vorstadt angeht, wird es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Fehler in der Quelle "Gotthold Evangelisch-Lutherischer Volkskalender" handeln.

Dort wird auch z.B. die Warnicker Straße über viele Jahre als "Warneckerstr." oder "Warnikerstr." bezeichnet, ein Albert Lötzsch erscheint über einige Jahre im selben Absatz auch als "Albert Lötsch", es gab aber am Moltkeplatz nur einen Kaufmann "Lötzsch", ein Albert Lötsch ist in den Adressbüchern der Stadt nicht verzeichnet. Das aber nur mal am Rande.




Pfarrer des Pfarrbezirks

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Wir bleiben bei den Personalien. Von 1925 bis 1940 wird der Küstriner Kaufmann Albert Lötzsch (Kolonialwaren- und Feinkosthändler, Hauptgeschäft am Moltkeplatz 12, Zweiggeschäft Landsberger Straße 8) als Parochial-Rendant (Kassenführer des Pfarrbezirks) genannt. Gemeinde-Rendant war von 1931 bis mindestens 1940 der Küstriner Steueraspirant (Steuerberater) Richard Steinbring (nachweislich 1928 bis 1939 Landsberger Straße 88).

 

Gemeindevorsteher

Die Gemeindevorsteher wurden durch die Mitglieder der Gemeinde gewählt. Zum Kirchenvorstand gehörten auch Küstriner bzw. Kietzer Gemeindemitglieder. Der Kietzer Webermeister August Löwke gehörte von 1901 bis 1905 dem Vorstand der Gemeinde Kiehnwerder an, die Vorsteher der Gemeinde Küstrin entnehmen SIe bitte der Tabelle:

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Anzahl der Gemeindemitglieder

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Die ungefähre Anzahl der Mitglieder der altlutherischen Gemeinde Küstrin läßt sich erst ab 1911 angeben, als Küstrin eine eigenständige Gemeinde wurde. Von 1886 bis 1910 schwankte die Anzahl der Mitglieder der Gemeinde Kiehnwerder zwischen 312 und 382. Die Zahlen der Gemeinde Küstrin waren:

Legende:

* inklusive Landsberg/Warthe
** inklusive Landsberg/Warthe und Müncheberg
*** inklusive Müncheberg

Seelen: Gemeindemitglieder
Kommunionfähig: Gemeindeglieder, die dazu berechtigt sind, am Abendmahl teilzunehmen. Nicht kommunionfähig waren Kinder, die noch nicht konfirmiert waren und Gemeindemitglieder, denen vorübergehend die Berechtigung zur Teilnahme am Abendmahl entzogen wurde.

 

Die vorliegenden Daten und Jahreszahlen wurden der Publikation "Gotthold Evangelisch-Lutherischer Volkskalender" aus den Jahren 1886 bis 1940 entnommen, Quelle: Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK); Gottfried Heyn, Referent im Kirchenbüro, Schopenhauerstraße 7, 30625 Hannover, www.selk.de Vielen Dank !

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Eröffnung einer Bahnstrecke


Eröffnung der Bahnstrecke nach Sonnenburg.