Küstrin - Die Stadt an Oder und Warthe
Die Geschichte der ehemaligen Festungs- und Garnisonstadt auf Cuestrin.de

Russisches Bombardement auf Küstrin

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Neumärkische Zeitung
111. Jahrgang       Ausgabe vom 13. August 1931
Russisches Bombardement auf Küstrin
Zur Wiederkehr des Tages am 15. August.

August 1758 war's. Russische Truppen näherten sich von Osten her der Oder- und Warthefestung; denn hier oder in Schwedt erwartete man Friedrichs Übergang über die Oder. Schon am 13. August stießen größere Abteilungen Kosaken und zwei Husarenregimenter bis zur Neustadt vor und gelangten bis an die ersten zur Altstadt führenden Brücken. Feuer der Festungsgeschütze machte ein weiteres Vordringen unmöglich. Am Abend zogen sich die Russen nach Großkammin zurück; als aber am folgenden Tage eine weitere russische Division noch eintraf, beschloss man, die Oderfestung von Osten her einzuschließen.

Eine äußerst trübe Zeit begann damit für die von schweren Schicksalsschlägen bisher verschonte Stadt. Obristleutnant Caspar Adnau von Seyger, seit 1752 Kommandant von Küstrin, wurde noch im letzten Augenblick durch Oberst Schach von Wittenau abgelöst. Preußische Truppen, am 15. August von Generalleutnant von Schorlemer aus der Stadt geführt, besetzten den Weinberg, den jetzigen Militärfriedhof und den Friedhof östlich der Zorndorfer Straße. Stärkere feindliche Kräfte, die über Wilckersdorf, Tamsel und Warnick vorrückten - die Infanterie an der Warthe entlang - zwangen zunächst zur Aufgabe des Weinberges, später völligen Räumung der Neustadt. Russische Geschütze gingen in Stellung und zwar auf dem Weinberg, am Ende des Kurzen Dammes (heute "Stern") und an dem so genannten Wolfswinkel.

Zwischen 8 und 9 Uhr vormittags wurde mit der Beschießung begonnen. Die Russen feuerten aus Einhörnern und Haubitzen. Im 8. Bande des vom Großen Generalstab herausgegebenen Werkes "Der siebenjährige Krieg" ist über das Bombardement folgendes zu lesen: "Die dritte Bombe fiel hinter dem Wall in einen Faschinenhaufen und setzte ihn in Brand, der sich auf nahe dabei liegende Reitbahn übertrug. Fermor zog nun noch schwere Geschütze vom Gros der Armee heran und ließ Bomben und glühende Kugeln bis zum Abend in die unglückliche Stadt werfen. In ihren engen Straßen verbreitet sich der Brand mit rasender Eile, immer weiter griff die gierige Glut um sich, immer neue Brandherde entstanden. Die Einwohner waren durch das unerwartete Bombardement völlig außer Fassung geraten, jeder dachte zuerst an sich und seine Habe, niemand aber ans Löschen, und so stand man bald dem entfesselten Element machtlos gegenüber. Die Geschütze der Festung hatten schon beim Angriff der Russen auf die Vorstadt zu feuern begonnen, freilich ohne Erfolg, weil sie nicht weit genug trugen. Auch jetzt versuchten sie vergeblich, die feindliche Artillerie niederzuhalten; gegen 6 Uhr abends sahen sie sich genötigt gänzlich zu verstummen, da infolge der Feuersbrunst die Hitze auf den Wällen unerträglich wurde."

3 000 Bewohner waren ohne Obdach, annähernd 200 Häuser ganz oder teilweise zerstört. Nur 3 Gebäude waren erhalten geblieben: die Garnisonskirche, ein Häuschen am Kurzen Damm und das Torschreiberhaus am Kietzer Tor.

Zweck des Bombardements war anscheinend nur die Vernichtung von Vermögenswerten. Alle nach Küstrin in Sicherheit gebrachten Kostbarkeiten aus der Neumark und die hier befindlichen Archive wurden ein Raub der Flammen. Wehmutsvoll blickte wenige Tage später Preußens König von den Wällen hinab in die eingeäscherte Stadt. Und wie ein rechter Landesvater war er bemüht, den Schaden nach Möglichkeit zu lindern. Trotz der schlechten Finanzlage bewilligte er von 1758 - 74 rund 470 000 Taler als Beihilfe zum Wiederaufbau. Schlicht und schmucklos, der Not der Zeit entsprechend, entstand aus den Trümmern das neue Küstrin. -tz-

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