Küstrin - Die Stadt an Oder und Warthe
Die Geschichte der ehemaligen Festungs- und Garnisonstadt auf Cuestrin.de

Das Küstriner Kämmereivorwerk Hirnschädel


Das südwestlich von Küstrin-Kietz, in Richtung Neu Manschnow (in der Nähe der heutigen Erdölbohrstation) gelegene Küstriner Kämmereivorwerk „Hirnschädel“ wurde 1739 gegründet und umfasste (Stand 1817) 424 Morgen Bruchland und Wiesen sowie 32 Morgen Wiesen „im Vorland“. Woher das Vorwerk allerdings seinen Namen hat, ist nicht überliefert.

Die Ländereien waren an verschiedene Landwirte - vorrangig aus der Langen Vorstadt - verpachtet (Erbpacht). Während des siebenjährigen Krieges wurde das Vorwerk von russischen Truppen geplündert und niedergebrannt. Einige Namen der Pächter sind aus dem Jahre 1765 überliefert: David Joseph, Michael Balck und Gottlieb Wallich (Schlächter). Die zum Vorwerk gehörenden Äcker und Wiesen hatten ebenfalls eigene Namen (Stand 1765):

  • der Entenfang
  • der Wolfs-Hirnschädel
  • der ehemalige königliche Hirnschädel
  • der königliche kleine Hirnschädel
  • die Vorstädter Caveln
  • die Kirchen-Wiese und
  • die neue [wo ?]lfhäußlich. [R?]öhrungen (Quelle ist unleserlich)

Das Vorwerk war von Ländereien umgeben, die zu Kietz bei Cüstrin und Neu Manschnow / Rathstock gehörten (siehe Plan weiter unten). Im Laufe der Zeit kam es besonders mit Rathstock immer wieder zu Grenzstreitigkeiten. Während der Belagerung des durch die Franzosen besetzten Küstrin wurden auch die Gehöfte auf dem Hirnschädel durch das Militär in Beschlag genommen. Nach dem Ende der französischen Besetzung machte die Stadt Küstrin von einem Vorkaufsrecht Gebrauch und kaufte das Vorwerk zurück. Ab Mai 1817 sollten die Ländereien nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung wieder neu verpachtet werden. Für den 9. und 10. September 1817 wurde vor Ort eine Auktion angesetzt.

plan hirnschaedel 1837Plan der Kämmereivorwerks Hirnschädel von 1837, Norden ist auf diesem Plan rechts. (Quelle: Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam, Rep. 28A Deichverband Ober-Oderbruch Nr. 336)

Im Jahre 1845 bot ein Lehngutsbesitzer namens Juhre aus Calenzig seinen Teil des Vorwerks zum Kauf an. Es hatte eine Größe von 80 Morgen und 58 Quadratruten und verfügte über Wohn- und Wirtschaftsgebäude. 1856 wird die nicht erbverpachtete Fläche mit 315 Morgen und 177 Quadratruten beziffert, die Gesamtfläche betrug zu dieser Zeit 417 Morgen, es war also nur gut ein Viertel der Fläche zu dieser Zeit verpachtet. 1898 hatte das Vorwerk 41 Einwohner.

Das Adressbuch der Stadt Küstrin von 1939/40 führt Hirnschädel unter der Adresse „Ausbau 13/15“, Küstrin-Kietz. Ob auch das Haus „Ausbau 12“ dazu gehörte, konnte noch nicht geklärt werden. Fakt ist, das das Vorwerk nach Kriegsende 1945 noch bewohnt war und auch bewirtschaftet wurde – wahrscheinlich bis zum Oderhochwasser 1947. Zeitzeugen berichten, das noch nach dem Krieg Frauen aus Küstrin-Kietz dort als Erntehelfer eingesetzt waren und jeden Tag den weiten Weg bis zum Vorwerk zu Fuß zurücklegen mussten.

Heute ist von diesem Vorwerk und dessen Bebauung kaum noch etwas zu erkennen.

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