Die spätere Schlosskirchengemeinde ging aus der reformierten Gemeinde der Stadt hervor. Unter Markgraf Hans hatte die reformierte Gemeine keine eigene Kirche - obwohl er ein Anhänger der Reformation war und auch eine Schlosskirche errichten ließ. Sie nutzte die Stadtpfarrkirche, die Schlosskirche war ihm und seinem Gefolge vorbehalten. Es wurde auch vereinzelt "auf dem Zimmer" im Schloss gepredigt. Die erste, aus dem Mittelalter stammende und wahrscheinlich vom Deutschen Orden erbaute Schlosskapelle hat Markgraf Hans im Jahre 1536 zusammen mit einem Teil des alten küstriner Schlosses abtragen lassen.

Aus dieser Zeit sind zwei Namen von katholischen Pfarrern der Schlosskirche erhalten: der 1536 verstorbene Simon Theinpelhofen und sein Nachfolger Matthias Schmidt, der seine Stelle im selben Jahr antrat. Er musste jedoch in der Marienkirche arbeiten, da die Schlosskirche zu diesem Zeitpunkt schon abgerissen war.  Es ist mehrfach überliefert, das Markgraf Johann im Jahre 1538 in seiner Schlosskirche zum ersten Mal das heilige Abendmahl in evangelischer Weise feierte.

Kurfürst Johann Sigismund trat am 25. Dezember 1613 (nach dem jul. Kalender, nach dem heutigen gregorianischen Kalender am 04. Januar 1614) im Berliner Dom zum reformierten Glauben über. Ihm folgten erst nur wenige Beamte, darunter auch einige der Neumärkischen Regierung in Küstrin. Die Anzahl wahr jedoch so gering, dass Johann Sigismund drei Professoren beauftragte, vor dem Kurprinzen Friedrich Wilhelm abwechselnd in Küstrin einen reformierten Gottesdienst abzuhalten. Anfangs wurde die junge Gemeinde also von Frankfurt (Oder) aus betreut.

So kam es auch, dass die Gemeinde unter Johann Sigismund (Kurfürst von Brandenburg zwischen 1608 und 1619) keine Kirche hatte, obwohl sie einige einflussreiche Bürger zu ihren Reihen zählte. Unter dem großen Kurfürsten Friedrich I. (Regierungszeit von 1640 bis 1688) erhielt die Gemeinde im Jahre 1662 ihre erste eigene Kirche - die Schlosskirche. Damit wurde die Gemeinde auch selbständig. Ob die Kirche nun der Gemeinde gehörte oder ihr nur das Nutzungsrecht einräumt wurde, ist nicht überliefert.

1. Pfarrstelle (Hofprediger)

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Zeitraum Name Bemerkung
1660 – 1662 (1664 ?) Bergius (Berg), Dr., Georg Konrad Theologie-Professor an der Viadrina in Frankfurt (Oder) und Reformierter Pastor
1662 - 1673 Wencelius, Joachim
1673 – 1693 Rötcher, Franz Christian
1693 – 1699 Seelig, Moritz
1699 – 1702 Schartig (Schardius), Friedrich Wilhelm
1702 – 1705 Mieg, Ludwig Heinrich
1705 – 1709 Steinberg, Heinrich August
1709 – 1717 Stumphig (Stumphius), Konrad
1717 – 1726 Siegel, Tielemann Heinrich Hofprediger, Konsistorialrat und Inspektor der reformierten Kirche in der Neumark
1726 – 1732 Claasen (Clässen), Dietrich Siegfried
1732 – 1737 Posthig (Postius), Konrad Feerdinand
1737 – 1738 Widekind, Melchior
1738 – 1739 Scholtz, Christian
1739 – ca. 1766 Hothann (Hoffham ?), Christian
1763 – 1776 Friedel, Ludwig Gottlieb Ab 1759 Adjunkt von Chr. Hothann
1776 – 26.10.1781 Voigt, Christian Friedrich
30.10.1781 – Ende 1790 Stosch, Samuel Johann Ernst hielt erst am 15.12.1782 seine Antrittspredigt
1791 – 04.06.1815 Arend, Johann David Hofprediger, Konsistorialrat und Inspektor der reformierten Kirche in der Neumark
1815 – 31.12.1820 Maresch, Wenzeslaus früherer zweiter Prediger und Prorektor
1820 – 1830 Kriege, Wilhelm Leonhardt ließ sich 1830 emeritieren; Daniel Ludwig von Siedmogrotzki war bis 1827 zweiter Prediger, danach war Friedrich Stosch zweiter Prediger und Prorektor der Friedrichs- und Rathsschule
1830 – 24.05.1845 Stosch, Friedrich Seit 1835 alleiniger Hofprediger in Küstrin, gab in diesem Jahr auch seine Prorektor-Stelle auf
25.06.1845 -18xx Bieck, Karl Friedrich Wilhelm Robert
1885 – 1858 von Rechenberg, Bernhard Gottlieb Friedrich
1858 – 1865 Siegel, August Ludwig
1865 – 1879 Martins, Ludwig Karl Wilhelm
1880 – 1889 Spieß, Heinrich Edmund, Lic. Dr.
1889 zeitweilig ohne ersten Pfarrer
1890 – 1892 Beckey, Heinrich Friedrich Arnold Ignatz
1893 zeitweilig ohne ersten Pfarrer
1893 – 1903 Overbeck, Heinrich Rudolf Ludwig Leopold
1903 – 1912 Busse, Paul Friedrich Geboren am 16.04.1858; aus einem Bericht von 1915 geht hervor, dass er geisteskrank wurde und sich zu dieser Zeit in der Landesirrenanstalt Teupitz aufhielt. Seine Frau Helene wurde zu seinem Vormund
1912 – 1931 Müller, Otto Hugo Ernst, Dr.
Ab 1931 unbesetzt

Im Jahre 1704 wurde der Gemeinde das Grundstück Berliner Straße 12, am Renneplatz,  geschenkt. Dort baute sie ihre Schule, das Haus wurde 1709 fertig gestellt. Die reformierte Friedrichschule wurde jedoch erst 1712 eröffnet.  Die Schlosskirche war laut "Verbesserungen und Zusätze zur Historischen Nachricht von dem Ersten Anfang der evangelisch-reformirten Kirche in Brandenburg und Preussen" der ehemalige Pferdestall von Markgraf Hans. Um 1710 wird die Schlosskirche von Be(c)kmann wie folgt beschrieben:

"Die reformierte Kirche so ganz gewölbet aber niedrig ist, ruhet auf fünf runden Pfeilern und gehet durch das ganze Teil dieses Stockwerks".

Durch den Brand nach dem russischen Beschuss der Stadt im Jahr 1758 wurde auch das Schloss und damit auch die Schlosskirche zerstört. Beim Wiederaufbau der Stadt wurde der Schwerpunkt zuerst auf die privaten Häuser gelegt, der Wiederaufbau der städtischen und königlichen Gebäude begann erst 1766 bzw. 1768. Das genaue Jahr des Wiederaufbaues des Schlosses und der Kirche konnte ich nicht ermitteln, fest steht aber, dass die Schlosskirche im Jahr 1783 wieder genutzt wurde: Ende 1783 wurde die erst 1770 wieder eingeweihte Stadtpfarrkirche wegen schwerer Baumängel wieder abgerissen und die Gottesdienste in die reformierte Schlosskirche verlegt. Der Wiederaufbau muss also zwischen 1768 und 1783 erfolgt sein. In der Zwischenzeit nutzte die reformierte Gemeinde die Kirche am Wall (Garnisonskirche) Sonntags zwischen 14 und 16 Uhr.


Beim Brand der Stadt 1758 wurde auch das Schulhaus in der Berliner Straße 12 zerstört. Die reformierte Friedrichschule bezog 1669/70 das neue Schulhaus, das an der Stelle der alten Rathsschule in der Schulstraße 65/66 zusammen mit dieser erbaut worden war. 1771wurde die reformierte Friedrichschule mit der lutherischen Raths- und Stadtschule zur Raths- und Friedrichschule - dem späteren Gymnasium - vereinigt. Auch das Haus Berliner Straße 12 wurde wieder aufgebaut und ab 1768  durch den Schlosspfarrer bewohnt, es diente bis in die 1930er Jahre als Pfarrhaus. Zwischen 1784 und 1821 nutzte der Gemeinderat (reformiertes Presbyterium) das Haus Kietzerstraße 160, direkt an der Kietzer Pforte gelegen.

In der Zeit der französischen Besatzung wurde die Schlosskirche mindestens bis 1809 weiter als Kirche genutzt. Am Sonntag, dem 28. Mai 1809 wurden mit einem Gottesdienst in der Schlosskirche die Mitglieder des abgewählten Magistrats der Stadt verabschiedet. Die Stadtverordnetenwahlen hatten am 2. und 3. März des Jahres stattgefunden. Ob die Kirche nach der Umwandlung des Schlossen in ein Lazarett durch die Franzosen im Jahre 1809 weiter genutzt wurde, konnte ich noch nicht ermitteln. Fest steht aber, dass die Schlosskirche nach der französischen Besatzung wenigstens zum Teil renoviert wurde. In "Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg" wurden viele Teile des Inventars auf die 1820er/30er Jahre datiert. Die neue Schlosskirche befand sich im nördlichen Flügel des Schlosses und erstreckte sich über zwei Etagen. Als Eingang diente das Delphinportal.

2. Pfarrstelle (Hofprediger)

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Zeitraum Name Bemerkung
1700 – 1713 Pförtner, Johann Konrad
1714 – 1729 Bergius Friedrich
1730 – 1764 Gericke, Eberhard Friedrich
1765 – 1776 Voigt, Christian Friedrich
1777 – 1780 Crefeld, Heinrich
1781 – 1790 Stuckert, Ludwig Wilhelm
1790 – 1797 kein zweiter Pfarrer
1797 – 1815 Maresch, Wenzel Zwischen 1815 und 1820 erster Pfarrer, siehe andere Tabelle
1815 – 1827 von Siedmogrodzki, Daniel Ludwig
1827 – 1830 Stosch, Friedrich Zwischen 1830 und 1845 erster Pfarrer, siehe andere Tabelle

Siegel der Schloßkirche ab 1833Nach 1830 wurde die zweite Pfarrstelle nicht mehr besetzt. 1833 gab die Gemeinde ihren reformierten Charakter auf und schloss sich der evangelisch-lutherischen Landeskirche an. Im Jahr 1870 wurde der Schlossprediger Martens damit beauftragt, auch die Militärgemeinde mit zu betreuen. In diesem Jahr und erneut im Jahr 1879 wurde versucht, die Militärgemeinde in die Schlosskirche zu verlegen. Dies scheiterte jedoch an der Klärung der Eigentumsverhältnisse der Schlosskirche sowie an organisatorischen Problemen. Am 14. Oktober 1880 entschied sich das Kriegsministerium nach Sichtung einiger in Auftrag gegebenen Gutachten gegen den Umzug der Gemeinde. Diese Gutachten konnten die Eigentumsverhältnisse nicht klären, die Schlosskirchengemeinde hatte sich vehement gegen den Umzug der Militärgemeinde in die Schlosskirche gewehrt, da es zu zeitlichen Konflikten bei den Gottesdiensten und Messen gekommen wäre.

Beim Streit um die Eigentumsverhältnisse - gehörte die Kirche der Stadt oder Schlosskirchengemeinde - ging es einfach darum, ob die Militärgemeinde für die Nutzung in Zukunft Miete an die Schlosskirchengemeinde zu zahlen habe oder nicht. Die Schlosskirchengemeinde sah sich als Eigentümer und forderte diesen Mietzins. Die Militärgemeinde als staatliche Einrichtung sah den Staat als Eigentümer, da ihm ja auch das Schloss gehörte, und lehnte daher die Zahlung von Miete ab. Zum Umzug kam es nicht.

Am 17. Oktober 1894 beschloss das königliche Konsistorium der Provinz Brandenburg in Berlin die Gründung der Friedenskirchengemeinde. Mitglieder aus der damaligen Kurzen Vorstadt, die Mitglied der Schlosskirchengemeinde waren, hatten bis zum 20.11.1894 Zeit, gegen die Eingliederung in die Friedenskirchengemeinde zu protestieren. Nur so konnten Sie Mitglied der Schlosskirchengemeinde bleiben. Dieser Beschluss wurde umfassend und mehrfach in den Küstriner Tageszeitungen "Cüstriner Tageblatt" (am 21.10.1894, 31.10.1894 und 7.11.1894), "Der Bürgerfreund" (am xx.10.1894 Nr. 85, 31.10.1894 und 7.11.1894) sowie dem "Oderblatt" (am 23.10.1894, 30.10.1894 und 8.11.1894) veröffentlicht.

Die Schlosskirchengemeinde war die kleinste der evangelischen Gemeinden, aber wohl auch die mit dem aktivsten kirchlichen Leben und eine der Reichsten. Sie gehörte zu den Kirchengemeinden die Anfangs gar keinen und später nur einen geringen Kirchensteuersatz als die anderen Gemeinden erheben mussten. Das war einer der Hauptgründe, warum sich die Mitglieder der Gemeinde vehement gegen eine Vereinigung mit der Pfarrkirchengemeinde wehrten.

Zum Thema Kirchensteuer muss man wissen, dass diese in Preußen nur zögerlich eingeführt wurde und die Provinz Brandenburg eine der letzten Provinzen war, in der dies geschah. Das war in den Jahren 1905/1906. Anfangs konnten die Orts-Gemeinden über die Höhe der Steuersätze selbst bestimmen, einen einheitlichen Satz gab es nicht. Zwischen 1905 und 1907 setzte sich der Ältestenrat der Gemeinden wie folgt zusammen: Busse (Schlosspfarrer, Vorsitzender), Richter (Prof. Dr., Vertreter des Patronats), Hermann Gottschalk (Kaufmann), Christoph Langlotz (Kaufmann) Paul Kyritz (Rechtsanwalt und Notar)

Die Diskussion über die Vereinigung zog sich über viele Jahre hin. Erst, als während der Weltwirtschaftskrise das Vermögen der Schlosskirchengemeinde wegschmolz, bröckelte die Mauer der Ablehnung etwas. Der Druck, der Vereinigung zuzustimmen wurde ständig erhöht, z.B. wurde im Herbst 1924 die Oberpfarrstelle der Pfarrkirchengemeinde nicht mehr besetzt und 1925 ein Aufnahmestopp für neue Mitglieder über die Schlosskirchengemeinde verhängt. Der bis 1924 tätige Oberpfarrer Schrecker wurde auf einen anderen Posten versetzt. Offiziell wurde die nicht erfolgte Neubesetzung der Stelle mit der finanziellen Not der Landeskirche begründet. Im Oktober 1924 wurde von den Körperschaften beider Gemeinden grundsätzlich die Vereinigung beschlossen.

Mitgliederzahlen
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Zeitraum Seelen
1925 1000
1927 900
1931 660
1935 510
1939 470

Im weiteren Verlauf der 1920er Jahre wurde ein kleiner Schritt Richtung Vereinigung getan, es wurde eine gemeinsame Verwaltung beider Gemeinden aufgebaut. Der Archidiakon Parade der Pfarrkirchengemeinde führte die Verwaltungsgeschäfte der Schlosskirchengemeinde mit durch und betreute auch noch seinen Bezirk (Kietz, Lange Vorstadt, Neubleyen). Der Pfarrer der Schlosskirchengemeinde, Müller, übernahm die Predigt, Seelsorge und die Amtshandlungen in der Schlosskirchengemeinde und im Bezirk des Oberpfarrers der Stadtpfarrkirche (Küstrin-Altstadt, Kuhbrücke und Kietzerbusch), sowie weiterhin die Betreuung der Militärgemeinde und des Gefängnisses.

Die Gottesdienste fanden nun sonntäglich entweder in der Stadtpfarrkirche oder in der Schlosskirche für beide Gemeinden zusammen statt. Diese Einrichtung bewährte sich jedoch nicht, da man mit den zwei Pfarrstellen nicht in der Lage war, zwei Gemeinden mit zusammen fast 7000 Mitgliedern, ausreichend zu betreuen. Dieser Zustand wurde schon in einem Schreiben an das Evangelische Konsistorium der Mark Brandenburg vom 29.6.1927 bemängelt. Erschwerend für Pfarrer Müller war auch der Umstand, dass zur Militärgemeinde auch die an der östlichen Stadtgrenze gelegenen Kasernen der Neustadt gehörten. Auch diese mussten von ihm mit betreut werden. Einen Absatz mit recht verzweifelten Unterton aus dem o.g. Schreiben möchte ich hier ungekürzt weitergeben:

[...] Infolgedessen geht das kirchliche Leben im alten Stadtteil Cüstrins andauernd zurück. Die Freidenker entfalten eine rührige und leider nicht erfolglose Tätigkeit für den Kirchenaustritt. Lauheit und Gleichgültigkeit in früher kirchlichen Familien und Berufsständen nehmen erschreckend zu. Die katholische Kirche versucht, auch in Cüstrin festen Fuß zu fassen. Sie hat bereits ein Grundstück gekauft, auf dem sie eine stattliche Kirche bauen will. Es ist hohe Zeit daß die evangelische Kirche alle Kraft daran setzt, Verlorenes wiederzugewinnen und neues Leben in den Gemeinden zu wecken.

Am 27.09.1927 erklärten Vertreter beider Gemeinden noch einmal ihren Willen zur Vereinigung. Zitat: "Es könne nur eine vollständige Verschmelzung beider Gemeinden in Frage kommen.", bei dieser Erklärung blieb es aber erst einmal wieder. Der Schlosskirche gehörten 1931 an Grundbesitz: 35 Morgen 66 Quadratruten, 1/7 der Pacht für die Kirchenländer (126 RM)  stand der Kirchenkasse zu. Zur Gemeinde gehörte noch das Schönebecksche Stift, ein Altersheim in der Altstadt, im dem 1932 110 Menschen lebten. Auch Anfang der 1930 Jahre gingen die Verhandlungen zur Vereinigung weiter. Der größte Streitpunkt war die Forderung der Pfarrkirchengemeinde, die Schlosskirchengemeinde mit der Vereinigung aufzulösen, die Vertreter der Schlosskirchengemeinde wiederum forderten den Erhalt ihrer Gemeinde mit eigenem Pfarrer. Sie waren nur bereit der Stadtpfarrkirche so weit entgegen zu kommen, dass der Schlosskirchenpfarrer die Pfarrer der Pfarrkirche - sollte es seine Zeit zulassen - bei ihrer Arbeit unterstützt. Sie hofften zu dieser Zeit auch immer noch auf eine Neubesetzung der Pfarrstelle, da die Pfarrer der Friedenskirchen- und Pfarrkirchengemeinde nicht in der Lage waren, auch noch die Schlosskirchengemeinde mit zu versorgen. Seit 1931 war die Stelle unbesetzt. Zeitgleich mit der Nicht-Besetzung dieser Stelle wurde die Oberpfarrer-Stelle der Stadtpfarrkirche neu besetzt, diese war seit 1924 unbesetzt gewesen.

Sonstige Posten

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Zeitraum Organist Küster Kirchendiener
1882 Lucas Schimming, Gottlob
1885 – 1905 Jacob Grünwald
1907 Jacob Stennert
1928 Riege, Theodor Mixdorf, Karl Delor, Frau

Diese Daten sind nur lückenhaft vorhanden und wurden verschiedenen Adressbüchern der Stadt entnommen.

Am 10. Juli 1933 besichtigte der Baurat Dr. Ing. Curt Steinberg die Wohnung des Schlosspfarrers in der Berliner Straße 12. Die Bausubstanz war im Allgemeinen gut, der größte Mangel war das Fehlen eines Treppenabsatzes am Hauseingang, man stand nach Verlassen des Hause nach einem Schritt über den schmalen Gehweg faktisch auf den Straßenbahnschienen, die vor dem Haus entlangführten. Er empfahl, die Tür um einen Meter nach innen zu versetzen. Des weiteren waren Abputzarbeiten (Decke im Flur, Rückwand des Hauses), diverse Malerarbeiten, das Ersetzen einiger Türschwellen und Fußbodenarbeiten in einem Raum nötig. Ende August / Anfang September wurden die Arbeiten nach Anerkennung der Schäden durch das Hochbauamt in Königsberg/Nm. durchgeführt. Die Regierung als Patron des Pfarrhauses beteiligte sich mit 1000 RM. Einzig die Versetzung der Eingangstür wurde nicht umgesetzt. Da die Gemeindevertretung der Schlosskirchengemeinde am 18.08.1933 dem Beschluss der Pfarrkirchengemeinde vom 10.8.1933 zur Verschmelzung beider Gemeinden zustimmte, wurde von mehr Reparaturen abgesehen. Der Grund dafür war, der Vollzug der Vereinigung beider Gemeinden nur absehbar war, und man den Plan hatte, das Pfarrhaus der Schlosskirchengemeinde zum dringend benötigten Gemeindehaus umzubauen. Durch die Zustimmung der Schlosskirchengemeinde zur Vereinigung wurde auch die Neubesetzung der Schlosspfarrerstelle hinfällig. Die Vertreter der Schlosskirchengemeinde hatten wohl nachgegeben und der Auslösung der Gemeinde zugestimmt.

Am 8.10.1934 wandte sich die NSDAP mit der Bitte, die leerstehende Pfarrwohnung im  Pfarrhaus der Schlosskirchengemeinde als Kindergarten nutzen zu können, da Zitat: "derselbe in sozialer und erzieherische Hinsicht von großer Bedeutsamkeit ist", an das Konsistorium der Mark Brandenburg in Berlin. Man solle das Gebäude dem Amt für Volkswohlfahrt für diesen Zweck unentgeltlich zur Verfügung stellen. Am 10. Oktober wurde dies vom Gemeindekirchenrat abgelehnt. Aus diesem Schreiben geht hervor, dass die Pfarrwitwenwohnung im Erdgeschoss "seit Jahren an 3 alte Damen vermietet" sei, auf der anderen Seite des Erdgeschoss war die Daikonissenstation des Vaterl. Frauenvereins untergebracht. Dort lebten zwei Diakonissen. Die Pfarrwohnung bestand aus 10 Zimmern, teils im  1. und Teils im 2. Stock des Pfarrhauses. Als Gründe für die Ablehnung wurde die Aufteilung der Pfarrwohnung auf zwei Stockwerke und die Belästigung der anderen Mieter durch den lauten Betrieb eines Kindergartens aufgeführt. Angemerkt wurde auch, dass man für die Wohnung bis zu 1200 RM Miete bekommen könnte und das Haus möglicherweise - wie schon  oben weiter geschrieben - zum  Gemeindehaus umgebaut werden sollte.

Der Baurat Curt Steinberg besuchte das Haus erneut und lehnte ebenfalls eine Nutzung als Kindergarten ab, da es baulich ungeeignet war. Er führt als Gründe für diese Entscheidung hauptsächlich die zu nahe Lage des Hauses an der Straße und Straßenbahntrasse und die zu steilen und für kleine Kinder zu gefährlichen Treppen auf. Am 23. Januar 1935 lehnt der Gemeindekirchenrat aufgrund des Gutachtens von Steinberg, die Anfrage erneut ab. Die NSDAP blieb aber hartnäckig und fragte immer wieder nach, forderte Beschlüsse erneut an, etc. Mitte 1935 hatte man die Gemeindevertreter nun "weichgekocht", am 21. August 1935 wurde der Mietvertrag unterzeichnet. Das Konsistorium war bereit, unter Auflagen der Nutzung zuzustimmen: Es bat in einem Schreiben vom 8. November 1935 um einen Zusatz, dass die Kirchengemeinde für (gesundheitliche) Schäden bei Benutzung des Hauses als Kindergarten nicht haftbar gemacht werden kann. Dabei hatte man besonders auf die für Kinder ungeeigneten Treppen im Kopf.

Die einst reiche Gemeinde hatte inzwischen auch finanzielle Sorgen. Aus einem Schreiben von 1935 geht hervor, das von den 510 Mitgliedern der Gemeinde nur 132 Kirchsteuer zahlen konnten, 70 waren arbeitslos und 37 lebten im Alter von 18 Jahre noch bei ihren Eltern. Das Einkommensteuer-Soll der Gemeinde hatte sich 1934 um 2000 RM verringert, gegenüber 1931 sogar um 16.000 RM.

Ende Dezember 1937 war die Verschmelzung beider Gemeinden noch immer nicht vollzogen. Die Stimmung in der Schlosskirchengemeinde wandelte sich und man versuchte wieder, sie zu erhalten. Mit einem sehr leidenschaftlichen Schreiben vom 03.12.1937 erbat man erneut die Neubesetzung der Schlosspfarrerstelle, welche ja eigentlich wegen der Vereinigung nicht wieder besetzt werden sollte. Sie wurde es auch nie. Auch die Vereinigung  wurde nie vollzogen.

Im Jahre 1929 wurden Sanierungsarbeiten am Schloss durchgeführt und u.a. die Portale erneuert . 10 Jahre später - 1939 - war die Schlosskirche renovierungsbedürftig geworden. Laut Gutachten des Provinzialkonservators war "das einfache aber vornehm gestaltete Innere" völlig verschmutzt. Die zwei alten Eisenöfen sollten durch eine Luftheizung ersetzt, die elektrische Anlage modernisiert werden. Im vorliegenden Gutachten wurden auch Vorschläge für ein neues Beleuchtungskonzept gemacht.  Die Kirche sollte auch malermäßig instand gesetzt werden. Es wurde geraten, den alten Eingang über den Schlosshof wieder zu nutzen und die aktuellen Eingänge zu schließen. Welche das waren, darüber schweigt sich das Gutachten aus. Auch Curt Steinberg besichtigte die Kirche aufgrund dieses Gutachtens und fügte in seinem Schreiben vom 25.09.1939 noch hinzu, dass die Arbeiten dringend notwendig wären und auch Decken und Wände teils neu verputzt werden müssten. Das staatliche Hochbauamt sollte gebeten werden, einen Kostenvoranschlag einzuholen. Am 10. Oktober schrieb der Gemeindekirchenrat, dass alle Versuche, Kostenvoranschläge einzuholen, gescheitert waren und die Arbeiten zugunsten von dringlicheren Aufgaben, die im Allgemeininteresse lägen, zurückgestellt werden könnten. Am 18. Oktober 1939 bestätigt Curt Steinberg vom kirchlichen Bauamt, dass die Instandsetzungsarbeiten bis nach Beendigung des Krieges verschoben werden können. Die Schlosskirche wurde jedoch, wie auch das Schloss in den Kämpfen um Küstrin im Februar/März 1945 stark beschädigt und etwa 1969 zusammen mit der Schlossruine abgetragen.

Quellen:

  • Johann Christoph Bekmann: Von Stat und Veste Küstrin, ca. 1710
  • Verbesserungen und Zusätze zur Historischen Nachricht von dem Ersten Anfang der evangelisch-reformirten Kirche in Brandenburg und Preussen, Daniel Heinrich Herings, Halle 1783
  • Chronik der Stadt Cüstrin, K. W. Kutschbach, 1849
  • Die evangelischen Kirchen der Stadt Küstrin, Prof. Dr. Gustav Berg, Marienburg (in: Schriften des Vereins für die Geschichte der Neumark, Nr. 24, 1910, Seite 1 - 33)
  • Der Wiederaufbau der Küstrins nach dem russischen Bombardement, Prof. Dr. Gustav Berg, Marienburg (in: Schriften des Vereins für die Geschichte der Neumark, Nr. 7, 1903, Seite 1 - 18o)
  • Cüstrin vor 100 Jahren 1806 - 1812 von Prof. Dr. C. Fredrich
  • Die Stadt Cüstrin von C. Fredrich, 1913
  • Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg, Sonderdruck "Die Stadt Küstrin", 1927
  • Diverse Schriftstücke aus dem Evangelischen Landesarchiv (ELAB) in Berlin
  • Diverse Wohnungsanzeiger unde Adressbücher der Stadt, Zeitraum 1883 bis 1939
  • Pfarrenbuch der Mark Brandenburg, Band 1, Verzeichnis der Pfarrstellen; Verlag E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1941
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchensteuer_(Deutschland)
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Sigismund_%28Brandenburg%29

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