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Bei den Artikeln über die anderen religösen Gemeinden der Stadt habe ich immer versucht, eine chronologische Reihenfolge der Ereignisse einzuhalten. Das ist jedoch hier, aufgrund der Komplexität des Themas, nicht möglich. Ich habe mich dazu entschlossen, die Geschichte der Parochialgemeinde in verschiedene Abschnitte aufzuteilen und die Ereignisse erst dort chronologisch wiederzugeben.

Die allgemeine Entwicklung der Gemeinde

siegelDer Vater von Markgraf Hans, Kurfürst Joachim I, war der letzte Verfechter der katholischen Kirche vor der Einführung der Reformation. Noch im Jahr 1534 untersagte er seinen Kindern testamentarisch, vom katholischen Glauben abzuweichen. Ein Jahr später, 1535, starb Joachim I und sein Sohn Markgraf Hans trat in der Neumark seine Nachfolge an.

Die Geschichte dieser Gemeinde beginnt im Jahre 1537, als Markgraf Hans in Schmalkalden in den Bund der Evangelischen Chur-Fürsten- und Reichsstände eintrat. 1538 wurde die Reformation in der Neumark und auch in Küstrin eingeführt. Die lutherischen und reformierten Gemeinden waren als verschiedene Zweige aus der Reformation hervorgegangen. Die reformierte Gemeinde der Stadt nutzte die Schlosskirche, die lutherische Gemeinde die Marienkirche. Diese Teilung existierte in Preußen bis 1817, dann wurde die "Evangelische Kirche in Preußen" gegründet.

Im Gegensatz zu vielen anderen Kirchen besaß  die Küstriner Stadtpfarrkirche keine eigenen Ländereien, so dass ihr ein großer Teil der Einnahmen, über die andere Kirchen verfügen konnten, fehlte. Die Einnahmen stammten auf dem Pfarropfer, den Gebühren für das Läuten der Glocken bei Todesfällen und Beerdigungen, Chor- und Stuhlmiete, Grabstellengebühren, Gebühren für Haustrauungen und anderen kleineren Einnahmemöglichkeiten. Die schlechte Einnahmesituation wird wohl auch dazu beigetragen haben, dass sich die Pfarrkirchengemeinde über lange Zeit immer wieder gegen einen Kirchenbau in der Kurzen Vorstadt wehrte, ihn aber nie verhindern konnte. Erst wurde dort nur eine Begräbnis- und Hospitalkirche erbaut, später die Friedenskirche.

Markgraf Hans hatte in seinem Testament verfügt, dass die Gemeinde durch einen Pfarrer und zwei Diakone betreut werden sollte. Die Pfarrkirchengemeinde verfügte zwischen 1537 und 1945 über eine 1. Pfarrstelle (Oberpfarrer bzw. Superintendent), nur zwischen 1924 bis 1930 war diese Stelle nicht besetzt. Nach der Zerstörung der Stadt im Jahr 1758 wurden die beiden Diakonatsstellen nicht mehr besetzt, zwischen 1763 und 1767 erhielt der Pfarrer nur einen Assistenten. Erst ab 1767 hatte die Gemeinde wieder einen Archidiakon. Zu seinen Pflichten gehörten neben verschiedenen Amtshandlungen auch die Durchführung des sonntäglichen Kindergottesdienstes, der Bibelstunden und des Konfirmandenunterrichts. Die zweite Diakonatsstelle blieb von 1759 bis 1892 unbesetzt und hatte dann bis 1896 ihren letzten Inhaber. 

1. Pfarrstelle der Gemeinde

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2. Pfarrstelle der Gemeinde (Archidiakon)

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3. Pfarrstelle der Gemeinde (Diakon)

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Assistenten des 1. Pfarrers

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Sonstige Stellen

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Neben den 3 Pfarrstellen waren auch immer wieder Hilfsprediger ist Küstrin angestellt. Einer von Ihnen, Karl Hanssmann, fiel sehr negativ durch einige Eigenmächtigkeiten auf und sollte auf Bitte der Gemeindevertreter entlassen werden. Er hatte seinen Hilfsdienst in Küstrin am 25.02.1937 angetreten und wurde am 13.09.1937 aus ungenannten Gründen von der Gestapo verhaftet. Über sein Schicksal ist mir nichts bekannt. Sein Stellvertreter wurde Gerhard Senftleben aus Dührungshof. Der Hilfsprediger Wilhelm Paul Gädigk war wiederum sehr beliebt in der Gemeinde und sollte bereits vor Ende seines Hilfsdienstes in Küstrin dort die 1. Pfarrstelle übernehmen. Das geschah dann aber erst gut ein dreiviertel Jahr später.

Gern hätte man gesehen, dass sich die Pfarrkirchengemeinde mit der doch reichen Schwestergemeinde, der Schlosskirchengemeinde, vereinigt hätte. Doch die Schlosskirchengemeinde wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen, erst als im Laufe der Inflationszeit und der Weltwirtschaftskrise das Vermögen der Schlosskirchengemeinde stark schrumpfte, schwand auch die Ablehnung dagegen. Der Vorgang wird im Artikel über die Schlosskirchengemeinde ausführlich behandelt. Bis zur Gründung der Friedenskirchengemeinde im Jahr 1896 war die Pfarrkirchengemeinde  die größte protestantische Gemeinde der Stadt Küstrin.

Ein Konfirmationsschein der Gemeinde

 

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Eröffnung einer Bahnstrecke


Eröffnung der Bahnstrecke nach Sonnenburg.