Küstrin - Die Stadt an Oder und Warthe

Die Geschichte der ehemaligen Festungs- und Garnisonstadt auf Cuestrin.de

Ostdeutsche Stanz- und Emaillierwerke AG

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Die Ostdeutschen Stanz- und Emaillierwerke A.G. wurden nach dem ersten Weltkrieg, zu Beginn der Inflationszeit, durch den rumänischen Kaufmann Valentin Jonitza noch unter dem Namen "Ostdeutsche Stanz- und Emaillierwerke Valentin Jonitza OHG" gegründet. Die Fabrik mit 3 Brennöfen baute er an der Zorndorfer Chaussee in der Neustadt. Das Terrain war schwierig, der Stand des Grundwassers war sehr hoch und der Bau verteuerte sich immer mehr. Als seine finanziellen Mittel erschöpft waren, gründete er am 24.09.1921 eine Aktiengesellschaft mit 8 Millionen Mark Kapital. Zu den Gründern der Aktiengesellschaft gehörten:

  • Maurermeister Rud. Seefeldt, Küstrin-Kietz
  • Wilhelm Schier, Cüstrin II
  • Bücherrevisor Walter Dorn, Treptow-Süd
  • Leopold Brieger, Berlin
  • Bankbeamter Joh. Oppe, Neukölln

Doch auch diese Mittel waren aufgrund der Inflation schnell ausgeschöpft, so dass im November des gleichen Jahres nach kurzen Verhandlungen die Aktiengesellschaft durch die "Hugo Stinnes AG für Seeschiffahrt und Überseehandel" zu fast 100% übernommen wurde. Das Werk wurde erweitert, es hatte nun 10 Brennöfen und Wohnungen für die Mitarbeiter und Beamten wurden gebaut. Die Aktiengesellschaft verfügte auch über eine eigene Betriebskrankenkasse für ihre bis zu 1000 Mitarbeiter. Die hohe Anzahl der Mitarbeiter war aus wirtschaftlicher Sicht aber nicht sinnvoll, so dass sie im Jahre 1923 auf 400 bis 500 reduziert wurde. Innerhalb kurzer Zeit erarbeitete sich die Fabrik einen guten Ruf und verkaufte ihre Produkte - zu denen Haushalts- und Küchengeräte gehörten - im In- und Ausland. Dazu trugen auch die guten internationalen Beziehungen des Mutterkonzerns bei.

Direktion (1922/23): Ing. Heinz Laux; Hütten-Ing. Emil Skuballa, Berlin-Charlottenburg; Regierungs-Rat a.D. Hermann Albrecht

Aufsichtsrat (1922/23): Vorsitzender Direktor Lichthardt, Hugo Stinnes Hamburg; Rechtsanwalt und Notar Dr. Willy Abrahamson, Berlin; Stadtbaurat Walter Hecht, Küstrin

 

Direktion (1929): Erich Kukat

Aufsichtsrat (1929): Vorsitzender Dr. W. Haensel, Hamburg; Dr. E. Söller, Mühlheim-Ruhr; Friedrich Hoch, Berlin

 

Kapital:

 

  • ursprünglich 8 Millionen Mark in 8000 Aktien zu je 1000 Mark. Übernommen von den Gründern zu 100%.
  • Kapitalerhöhung laut Gesellschaftervertrag (GV) vom 15.03.1922 um 6.5 Millionen Mark in Inhaberaktien zu 1000 Mark, übernommen von der AG Hugo Stinnes zu pari.
  • Kapitalerhöhung laut GV vom 21.11.1922 um 21.5 Millionen Mark in 215 Aktien zu 100.000 Mark, übernommen durch die Hugo Stinnes AG, Hamburg
  • Laut GV vom 12.08.1924 Kapitalumstellung von 36 Millionen M auf 360.000 RM (100:1) in 7250 Aktien zu 20 RM und 215 Aktien zu 1000 RM. Laut gleichem GV wurde eine Kapitalerhöhung um 720.000 RM beschlossen, diese aber mit dem GV vom 23.11.1925 rückgängig gemacht.
  • Laut GV vom 06.06.1928 wurde die Herabsetzung des Kapitals zur Beseitigung der Unterbilanz von 360.000 RM auf 36.000 RM durch Zusammenführung der Aktien im Verhältnis von 10:1 beschlossen. Dann folgte eine Erhöhung von 36.000 RM auf 360.000 RM durch Ausgabe von 648 Stammaktien zu je 500 RM.

Eine Dividende zahlte die Aktiengesellschaft ihren Aktionären in der Zeit zwischen 1921 und 1928 nie. Ende der zwanziger Jahre geriet das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Im Herbst 1929 wurde noch versucht das Werk für 150.000 RM (bei 50.000 RM Anzahlung) zu verkaufen. Ein Käufer fand sich jedoch nicht.

Das Unternehmen wurde schließlich von der Schrott Handels­gesell­schaft Schweitzer & Oppler A.G. aus Berlin übernommen. Diese verkaufte einen Teil der Maschinen ins Ausland, der Rest wurde verschrottet. Die Gebäude wurden bis auf die direkt an der Zorndorfer Chausse (später Heerstraße) liegenden, abgerissen. Der Abriß der Ostdeutschen Stanz- und Emaillierwerke A.G. war im April 1930 bereits weit fortgeschritten. Bis 1.Oktober 1930 sollte er beendet sein.

Das Grundstück und die Gebäude in der Zorndorfer Straße 14 wurden im Oktober/November 1930 an Frau Else Richter (verh. Friedrich) aus Berlin verkauft. Kurt und Else Friedrich betrieben dort dann die Glaserei Hermann Friedrich. Auf dem Grundstück Nr. 13 eröffnete Walter Puhlmann Anfang der 30er Jahre ein Opel-Autohaus.

 

 

Quellen:

http://www.gebruederbaumann.de/html/1919-1945.html

Auskunft durch Dr. Helmut Friedrich

"Küstrin - Bilder einer vom Schicksal schwer geprüften Stadt" von Wilhelm Fitzy, 1969 Märkische Verlags- und Vertriebsgesellschaft, Kiel

Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften 1922/23, 1929

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