Küstrin - Die Stadt an Oder und Warthe
Die Geschichte der ehemaligen Festungs- und Garnisonstadt auf Cuestrin.de

Carl Adam - Sägewerk und Gewächshausbau

Die Firma Carl Adam - Sägewerk und Gewächs­hausbau befand sich in der Landsberger Straße 44/45 auf der stadtauswärts gesehenen rechten Seite, zwischen der späteren Dietrich-Eckardt-Straße und der Pionierstraße. Zu diesem Firmengelände gehörten auch zwei Wohnhäuser an der Landsberger Straße.

Landsberger Straße 44-45 Küstrin-Neustadt

Wohnhauser Landsberger Straße 44/45 in Küstrin

Die Wohnhäuser Landsberger Straße 44 (rechts) und 45 (links). Dahinter befand sich die Fabrik

Diese Fabrik für Gewächshausbau war 1890 noch unter dem Namen "Karl Wernitz & Neitzsch" in Küstrin gegründet worden. Am 14.2.1890 wurde die Firma in das Küstriner Handelsregister eingetragen. Die Gesellschafter waren:

  1. der Glasermeister Karl Wernitz aus Küstrin
  2. der Fabrikant Karl Neitzsch, ebenfalls aus Küstrin

Die Eröffnung war am 1. Februar 1890, beide Gesellschafter waren zur Vertretung der Firma berechtigt. Der Fabrikant Carl Adam aus Küstrin trat am 29. Dezember 1893 als Handelsgesell­schafter in die Firma ein, Karl Neitzsch schied aus der Handelsgesellschaft aus. Ab Sommer 1894 führte Carl Adam das Unternehmen allein, zuerst noch unter dem alten Namen, ab 1899 firmierte das Unternehmen dann unter seinem Namen, "Carl Adam". Die Firma beschäftigte sich zu dieser Zeit vorrangig mit dem Bau von Gewächshäusern, Warm­wasser-Heizanlagen sowie der Frühbeet- und Gewächshausfenster-Produktion. Um 1912 verfügte die Firma auch über eine eigene Fabrik zur Herstellung von Fenster-Kitt.

firmengelaende carl adam arthur bast kuestrinDas Firmengelände an der Landsberger Straße
Beleg der Firma Carl Adam CüstrinBeleg der Firma von 1899

Die kurze Zeit unter Fritz Adam

Im Sommer 1929 übernahm der am 11.10.1889 in Küstrin geborene Bauingenieur Fritz Adam die Firma. Er arbeitete vorher bei der Preußischen Bauverwaltung sowie bei der Schiffswerft F. Schichau in Elbing. Die Witwe von Carl Adam, Irma Adam geb. Tornow wurde Prokuristin. Lange betrieb Fritz Adam das Unternehmen nicht mehr, schon 5 Jahre später, am 10.09.1934 wurde die Firma aus dem Handels­register gelöscht. Der Landmaschinenhändler Arthur Bast kaufte mit Genehmigung der Zwangsverwalterin des Grundstücks, der Stadtsparkasse Küstrin, ein Teil des Firmengrundstücks an der Landsberger Straße 44 im Jahre 1937 wohl für rund 60.000 RM. Da die Stadtsparkasse Zwangsverwalterin des Grundstücks war, ist davon auszugehen, dass die Firma Insolvenz anmelden musste. Das zweite Grundstück an der Landsberger Straße 45 gehörte später dem Küstriner Schmiedemeister Richard Stein, der dort auch seine Schmiede betrieb.

FritzAdamSpäter wurde Fritz Adam Inhaber einer namentlich nicht bekannten Firma in Königs­berg (Ostpreußen). Er war aber nicht nur Unternehmer, sondern hatte wohl auch politische Ambitionen: Er trat 1930 in die NSDAP ein und trat 1933 im Wahlkreis 5 (Frankfurt/Oder) bei den Wahlen an. Er wurde in den Preußischen Landtag gewählt und im gleichen Jahr Mitglied der NSDAP-Fraktion im Deutschen Reichstag. Er war außerdem SA-Oberführer in Küstrin-Neustadt. Zu seiner weiteren politischen Karriere findet man in seinem Wikipedia-Eintrag folgendes:

"Als Mitglied der SA wurde Adam am 15. Januar 1934 zum SA-Brigadeführer befördert. Er wurde unter anderem mit der Führung verschiedener SA-Gruppen beauftragt, so war er 1934 Führer der SA-Gruppe Ostmark und anschließend bis Februar 1937 Stabsführer der SA-Gruppe Ostland (Königsberg). Im September 1937 wurde er beauftragt, das Amt des Landrats im Landkreis Neidenburg (anschließend auch besetztes polnisches Gebiet) zu verwalten, bis er im Juni 1940 als Landrat nach Querfurt versetzt wurde und hier Nachfolger des nach Neidenburg versetzten Axel Crewell wurde. Im April 1945 nahm er sich in Querfurt das Leben." (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Adam_(SA-Mitglied), abgerufen am 24.4.2021 um 13:45 Uhr)

 

Quellen:

  • Nachlass Gustav Purpst
  • Diverse Adressbücher
  • Deutscher Reichsanzeiger, diverse Ausgaben
  • Foto von Fritz Adam: Wikipedia (Link siehe oben)
  • Foto: wenn nicht anders angegeben, Archiv Andy Steinhauf. Der Kauf der Postkarte mit den Gebäuden an der Landsberger Straße 44/45 wurde durch die Spendeninitiative der Stiftung Oderbruch finanziert. Vielen Dank !
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