Küstrin - Die Stadt an Oder und Warthe

Die Geschichte der ehemaligen Festungs- und Garnisonstadt auf Cuestrin.de

Brauerei Felix Graul, Küstrin-Neustadt

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Brauerei Felix Graul, Rackelmannstr. 14-15, Küstrin-Neustadt
Gründung: 1878 / 1890 Schließung: 1945

Etikett EdelquellDiese Brauerei wurde im Jahre 1878 von Konstantin Düring gegründet.  Nur wenige Jahre später, am 17.10.1890 erwarb Karl-Wilhelm Graul (1821-1907) diese Brauerei für seinen Sohn Felix Graul (1864-1919). Die Brauerei wurde erweitert und modernisiert und hiess von nun an "Brauerei Felix Graul". Die Dampfbrauerei befand sich in der Küstriner Neustadt, an der Ecke Rackelmann- und Landsberger Straße (neben der Infanteriekaserne). Durch die Modernisierung war es der Brauerei Graul in der Folgezeit möglich, neben dem obergärigen Bier auch untergärige, haltbare Lagerbiere vom Pils-Charakter anzubieten und sogar der Konkurrenz der Berliner und Frankfurter Großbrauereien mit Erfolg entgegenzutreten.

Untersetzer Graul-Bräu2000 Zentner (100 Tonnen !) Gerste aus dem Oderbruch wurden pro Jahr verarbeitet, der Hopfen kam aus der Hallertau und Wolnznach in Bayern. In den Vetriebsbezirken Küstrin und Landsberg/Warthe war die Brauerei Alleinvertreter der Löwenbräu Aktienbrauerei in München. Ausserdem war die Firma Generalvertreter in Küstrin und Umgebung für:

  • Hansabrauerei Dortmund
  • Weinbrennerei Egon Braun AG, Hamburg
  • Schlichte Spirituosen, Steinhagen
  • Original Underberg "Semper idem", Rheinberg/Rheinland

 

Nach dem Tod von Felix Graul ging die Brauerei in den Besitz seiner Frau und seiner fünf Töchter über. Diese wandelten die Brauere in in eine offene Handelsgesellschaft um. Eine der Töchter heiratete im Jahre 1920 Gustav Rudolph Tamm, der auch mit ins Unternehmen eintrat.  Ab dem 1.1.1920 wurde aus der offenen Handelsgesellschaft (OHG) eine Kommanditgesellschaft, die Felix Graul KG.  Komplementär wurde G. R. Tamm. Die Umfirmierungen gingen weiter, im Februar 1928 wurde die Brauerei wieder zur OHG und gehörte nun der Gustav Tamm OHG in Guben. Die Brauerei verfügte zu Beginn der 1930er Jahre über die folgende Betriebsausstattung:

  • Sudhausanlage 18 Ztr. Schüttung
  • 2 Kühlmaschinen
  • diverse Flaschenreinigungsmaschinen
  • eigene Mälzerei
  • 2 Kraftwagen, 4 Gespanne
  • ca. 1 1/2 ha Grundbesitz

Man produzierte Ober- und untergärige Biere, Eis und Malz sowie alkoholfreie Getränke. Zu den Biermarken gehörten "Graul-Bräu" (nicht geschützt) sowie "Edelquell" (Markeninhaber war 1931: Deutsche Bierbrauerei AG Berlin, Reg-Nr. 138 907 / 11). Zu den produzierten Biersorten gehörten:

  • Cüstriner Edelquell "Deutsches Pilsner", Hell und Dunkel
  • Edelquell Malz-Vollbier
  • Küstriner Bockbier
  • Cüstriner Graul Caramel (Zitat vom Etikett: "Alkoholarm für Erholungsbedürftige")
  • Cüstriner Weisse, Einfachbier

Im Laufe der Zeit ging der Ausbau der Fabrik weiter. Mitte der 1930er Jahre wurden in die Kellereien moderne Aluminiumtanks eingebaut. Eine Mälzerei und eine Limonadenfabrik waren angegliedert. Albert Richter stand zwischen 1912 und 1936 der Produktion als Braumeister vor, danach wurde Hermann Sehsler Betriebsleiter. 1935 wurde die Mälzerei stillgelegt und man bezog das Malz dann von verschiedenen, externen Mälzereien, unter anderem auch von der Malzfabrik Julius Kohlstock in Küstrin-Altstadt.

Anzeige aus Einwohnerbuch der Stadt Küstrin 1939-40Zum 1.1.1943 wurde die Brauerei erneut in eine Kommandit-Gesellschaft - diesmal eine Familien-Kommanditgesellschaft - umgewandelt.  Im gleichen Jahr wurde einer der beiden vorhanden Dampfkessel samt der Dampfmaschine abgebaut und das nun leere Kesselhaus abgerissen. Die drei ältesten Söhne des Inhabers G. R. Tamm - Wolfang, Herbert und Klaus-Dietrich - wurden zu Kommandidisten.

Im Zeitraum von 1932 bis 1945 arbeiteten in der Brauerei 14 bis 18 Mitarbeiter, jährlich wurden zwischen 3.413 und 10.182 Hektoliter Bier produziert. Mit Beendigung des Krieges im Jahre 1945 und Übergabe der Stadt Küstrin an die polnische Verwaltung endet die Geschichte der Brauerei Felix Graul. Die unter Kriegsereignissen bereits stark beschädigte Brauerei wurde nach Kriegsende vollständig abgerissen, Ziegelsteine sollen zum Wiederaufbau der Stadt Warschau nach dort geschafft worden sein.

 

 

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