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Neumärkische Zeitung
115. Jahrgang       Ausgabe vom 18. August 1935
Aus Schutt und Asche ersteht die Friedrichstadt
Zur Erinnerung an den 15. August 1758

"Die Russen an den Grenzen der Neumark!" Diese Nachricht ereilte den großen Preußenkönig in den letzten Julitagen des Jahres 1758 im Lager zu Königgrätz. Sein Kernland schien bedroht, die Hauptstadt Preußens in Gefahr. Schleunigst eilte daher der König mit seinem Heere zunächst nach Landshut und von hier aus ging es mit ungefähr 14 000 Mann dem neuen Feinde entgegen. Mehr als 25 Kilometer mußte die Truppe täglich zurücklegen, bei den schlechten Wegen und der heiß brennenden Augustsonne wahrlich keine Kleinigkeit.

Friedrich war sich des Ernstes seiner Lage voll bewußt. Für ihn gab es jedoch nur eins: Angreifen und siegen! Schon am 12. August hatte er an den Grafen Dohna, dem der Schutz der Neumark anvertraut war, geschrieben: "Wir aber müssen uns anschicken die Russen gehörig zu schlagen und saget allen Euren Offizieren, daß, wenn wir die Oder überschreiten werden, meine Devise ist, zu siegen oder zu sterben, und daß jeder, der nicht ebenso denkt, gar nicht erst über die Oder gehen, sondern sich zu allen Teufeln scheren soll."

Küstrin, die Festung an der Oder und Warthe, war den Russen das erste, ernstliche Hindernis auf ihrem Marsch nach Westen. Mit allen Mitteln versuchten sie daher diesen Platz in ihre Hände zu bekommen. Mit Bomben wurde nicht gespart; am 15. August 1758 glich die Stadt einem rauchenden Trümmerhaufen. Den Einwohnern hatte man die Unterkunftsmöglichkeiten genommen, der Festung aber hatten die Russen nichts anhaben können. Die Mauern waren unversehrt!

Schon am folgenden Tage überbrachte ein reitender Bote dem König diese wenig erfreuliche Nachricht, und umgehend traf an den Grafen Dohna folgende Anweisung ein: "Was sich auch ereignen mag, Küstrin muß sich halten, oder Todesstrafe trifft den, der versucht, sich zu ergeben". Und in der Oderfestung dachte auch kein Mensch daran, dem Feind die Tore zu öffnen. Fermars Aufforderung an den Kommandanten, die Stadt den Russen auszuliefern, war vergeblich.

"Küstrin muß sich halten!" So hatte es der König befohlen, und in altpreußischem Pflichtbewußtsein war man dieser Anordnung nachgekommen. Das Opfer, das die Bewohner damit auf sich genommen hatten, rechnete der Alte Fritz ihnen hoch an. Er tröstete sie nicht nur, als er am 21. August die völlig zerstörte Stadt besichtigte, sondern er half tatkräftig am Aufbau mit.

Ihm allein ist es zu danken, daß aus Schutt und Asche ein neues Küstrin entstanden ist. Rund 469 600 Taler Beihilfe wurden in der Zeit von 1758 bis 1774 an die Bewohner verteilt. Trotz aller finanzieller Nöte des Staates dachte der König immer wieder an die Stadt an der Oder und Warthe. Er überzeugte sich wiederholt von dem Stand der Aufbauarbeiten, machte, wenn es nottat, auch ganz gehörig Dampf. So ist der einst von Mauern umschlossene Teil der Altstadt ganz und gar Friedrichstadt. Die alten Proviantmagazine tragen das Zeichen dieses preußischen Königs, und auch sonst findet man hier und da noch eine Jahreszahl an der Hausfront, die auf jene zeit nach 1758 hinweist.

Nicht alles war durch das russische Bombardement zerstört worden. Drei Häuser waren ganz verschont geblieben, und von manchen anderen Gebäuden ragten die Mauern noch hoch auf. Vom Brande verschont geblieben sind wahrscheinlich auch die unteren Geschosse des Hauses Berliner Straße 199, das über der Haustür ein Wappen mit dem Johanniterkreuz zeigt, das der bürgerliche Besitzer des Hauses nach dem Brande kaum erneuert haben dürfte.

Die Stadt selbst zeigte nach dem Wiederaufbau in ihrer ganzen Anlage keine großen Veränderungen, die Festungswerke dagegen mußten sich manche Um- und Neubauten gefallen lassen.

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