Ab 1832 entstanden in England die katholisch-apostolischen Gemeinden, aus denen sich die Neuapostolische Kirche (NAK) entwickelte . Alle Amtsträger dieser Kirche arbeiten ehrenamtlich und gehen einer normalen beruflichen Tätigkeit nach. Die Küstriner Gemeinde entstand im Jahr 1883/1884 als Zweite im Raum Berlin (die Berliner Gemeinde entstand 1864).

Von 1883 bis 1945

Zu Beginn der 1880er Jahre erhielt der Berliner Priester August Richter Arbeit als Tischlermeister in der Langen Vorstadt Küstrins und zog 1883 dort hin. Im Jahre 1887 lebte er unter der Adresse Lange Vorstadt 107. Er gab seinen Glauben weiter und sammelte eine kleine Gruppe Gläubiger um sich herum. Im Jahr 1884 mietete er einen Raum im Gasthof "Zum Bahnhof" an, um dort Vorträge und Gottesdienste zu halten. Die Gemeinde wurde etwa im September 1884 gegründet. Richter wurde zum ersten Vorsteher der Gemeinde. Einige Zeit später kam der Bäckergeselle Hermann Wilke während seiner Wanderschaft nach Kietz. Er lernte zwei Jahre lang bei Richter und schloss sich der Gemeinde an. Schließlich brach er seine Wanderschaft ab und blieb. Zu dieser Zeit wurden die Gottesdienste im Haus des Gemeindevorstehers Richter, Lange Vorstadt 107, durchgeführt. Die Gemeinde wuchs und bald reichte der Platz im Hause Richter nicht mehr aus. Ab 1893/94 war die Gemeinde als polizeilich angemeldeter Verein "Apostolisch-Religiöser Verein" organisiert.

Der inzwischen als Vorsteher eingesetzte Hermann Wilke kaufte Anfang des Jahrhunderts das Grundstück Drewitzer Straße 5 in der Kurzen Vorstadt und eröffnete dort seine eigene Bäckerei. Aus eigenen Mitteln baute er ca. 1905 auf diesem Grundstück eine Kirche für die Gemeinde. Sie hatte ein Fassungsvermögen von 200 Personen. Später wurde Wilke auch Bezirksältester. Von Küstrin aus wurde auch andere Gemeinden in der Umgebung betreut. Zwischen 1907 und 1928 waren Friedrich Fürst (Arbeiter, Markt 119, Altstadt) und Friedrich Haase Vorstandsmitglieder der Gemeinde.

Als zur Zeit der Weimarer Republik die Mitgliederzahl der Gemeinde auf über 300 stieg, reichte die Kapazität der Kirche nicht mehr aus. Hermann Wilke ließ 1931/32 einen Anbau errichten. Im Jahr 1936 wurde Wilke nach ca. 30 Jahren als Vorsteher der Gemeinde in den Altersruhestand versetzt. Sein Nachfolger in beiden Ämtern wurde der bisherige Priester Otto Kersten. Er amtierte jedoch nur etwa vier Jahre und wurde 1940 zum Militärdienst eingezogen. Es gab im Adressbuch zwei Herren mit diesem Namen, einen Sattlermeister und einen Krankenpfleger. Welcher der Beiden der Vorsteher der Gemeinde war, ist nicht bekannt. Nach ihm betreute der Gemeindeevangelist Erich Zimmler die Küstriner Gemeinde. Im Jahre 1939 wird in der Drewitzer Straße 5/5a ein Bäckermeister Walter Wilke genannt, wahrscheinlich der (Schwieger-)Sohn von Hermann Wilke.

Am 30. Januar 1945 wurde der letzte Gottesdienst durchgeführt. Mit der Evakuierung der Stadt hörte die Küstriner Gemeinde auf zu existieren.

Von 1945 bis zum Ende

Kurz nach dem Krieg, Anfang November 1945 trafen sich zum ersten Mal wieder 12 Gemeindemitglieder (ehem. Küstriner, Küstrin-Kietzer und einige Flüchtlinge) mit dem Küstriner Priester Fritz Gralow in Küstrin-Kietz. Ebenfalls im November fuhr Fritz Gralow zu einem Gottesdienst nach Berlin. Dort wurde er durch den Apostel Arthur Landgraf beauftragt in Küstrin-Kietz eine neue Gemeinde aufzubauen. Er besuchte die neue, nun schon auf 30 Mitglieder angewachsene, Gemeinde 1946 und erhob Fritz Gralow zum Vorsteher. Ihn unterstützten der Priester Paul Ehrich und der Diakon Willi Schröter. Ostern 1948 wurde ein Chor gegründet. Dieser wurde bis ca, 1955 von Kurt Strauß geleitet. Zwischen November 1945 und September 1950 wurden die Gottesdienste zu Hause bei Familie Ehrich in der Mecklenburger Str. 3 abgehalten. Am 7.9.1952 wurde Werner Ehrich Priester in Kietz. 1953 war die Gemeinde auf 68 Mitglieder angewachsen, so dass ein zweiter Predigtort bei Familie Rybin in Neu Langsow eingerichtet werden musste. Von September 1950 bis September 1955 diente dann das Haus der Familie Schröter in der Thüringer Straße 1 als Versammlungsort. Vor jedem Gottesdienst wurde die Wohnung bis auf ein Unterteil des Wohnzimmerschrankes ausgeräumt. Dieses Möbelstück diente als Altar.

1955 wurde in Eigenleistung eine kleine Holzkirche mit einem Fassungsvermögen von 70 Personen auf dem Grundstück der Familie Schröter gebaut. Sie wurde am 05.10.1955 eingeweiht. Ich kann mich noch sehr genau an das kleine Holzhaus erinnern, ich fuhr oft daran vorbei, wenn ich meine Urgroßeltern besuchte. Ich schweife ab...

Da es in Kietz wenig Arbeit gab, zogen in den Folgejahren viele Mitglieder weg, auch Paul Ehrich mit seiner Familie. Am 12.6.1960 wurde Herbert Balzer Priester in Kietz. Nach über 23 Jahren als Vorsteher wurde Fritz Gralow am 17.08.1969 in den Ruhestand versetzt. Die Gemeinde wurde nun vom Letschiner Vorsteher Walter Klinke geführt. Die Gemeinde schrumpfte jedoch ständig weiter und erreichte mit 17 Mitgliedern im Jahr 1977 einen neuen Tiefpunkt. Innerhalb von 24 Jahren hatte die Gemeinde ca. 50 Mitglieder verloren. Am 10.4.1980 ging Walter Klinke in den Ruhestand, so dass die Kietzer Gemeinde nun von Frankfurt(Oder), aber nur kurzzeitig durch Joachim Hoffmann geleitet wurde. Ab 24.8.1980 übernahm der neue Vorsteher der Frankfurter Gemeinde Eberhard Petrick die Betreuung der Kietzer Gemeinde, ab 22.03.1990 der Priester Jürgen Hoffmann.

Zwischen Herbst 1992 und Frühjahr 1993 wurde die Kirche saniert und umgebaut. Die Arbeiten wurden durch Firmen und Eigenleistungen der Gemeindemitglieder (allein ca. 800 Stunden) durchgeführt. Am 22. und 23. Oktober 1994 begann die Gemeinde zusammen mit einigen ehemaligen Küstriner Gemeindemitgliedern und Mitgliedern der Gemeinde in Kostrzyn ihr 110-jähriges Bestehen. Die Gemeinde in Kostrzyn wurde erst in den 1970er Jahren gegründet, steht also mit der alten Küstriner Gemeinde in keinem Zusammenhang. Nach dem Tod des letzten Gemeindemitgliedes in Küstrin-Kietz im Jahre 2005 wurde die Kirche verkauft und eine neue Gemeinde in Seelow gegründet.

Zu den ehemaligen Küstriner Gemeindemitgliedern gehörte auch der Priester Max Mathes. Er war bis 1951 in Willershausen (Kreis Northeim, Niedersachsen) tätig.

 

Historischer Kalender

 
Heute vor 96 Jahren, am 24.6.1921:

Ausrüstung der Festung wird dem Reichsverwertungsamt übergeben


Wie im Versailler Vertrag festgeschrieben, wird die Ausrüstung verschiedener deutscher Festungen dem Reichsverwertungsamt übergeben.

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