Jüdische Einwohner in der Neumark können bereits 1351 belegt werden, die Geschichte der Juden in Küstrin beginnt dagegen erst relativ spät. Bekmann schreibt in seinem Buch "Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg nach ihrem Ursprung, Einwohnern, Natürlichen Beschaffenheit, Gewässer, Landschaften, Stäten, Geistlichen Stiftern..., Regenten, deren Staats- und Religions=Handlungen, Wapen, Siegel und Münzen, Wohlverdienten Geschlechtern Adelichen und Bürgerlichen standes..." bereits 1751 über jüdische Einwohner in Küstrin, dies kann aber mit keiner anderen Quelle belegt werden. Zahlen aus den Jahren 1690 bis 1777 nennen keine jüdischen Einwohner in Küstrin. Die Geschichte der Juden in Küstrin beginnt erst nach der Zeit der französischen Besatzung der Stadt. Kutschbach schreibt dazu in seiner Chronik der Stadt von 1849 auf Seite 357: "Die Mittheilung glaubwürdiger alter Küstriner versichert uns, daß vor 1806 keine jüdische Familie hierselbst ansäßig gewesen ist, ja, daß bis dahin kein Jude innerhalb der Stadtmauern übernachten durfte."

Der Zuzug jüdischer Familien begann erst drei Jahre nach dem Erlass des Preußischen Judenedikts vom 12.3.1812, mit dem die Juden in Preußen das Bürgerrecht und damit auch das Niederlassungsrecht bekamen. Der erste Jude, der in Küstrin am 16.03.1815 Bürger wurde, war Salomon Fürstenheim. Er baute im Laufe der Jahre auch die jüdische Gemeinde der Stadt auf.

Im Jahr 1815 beginnen auch die noch erhaltenen Kirchenbücher (Geburten 1815 bis 1848 und Sterbefälle: 1819 bis 1849). Diese Bücher (21 Seiten) liegen mir in Kopie vor. Im Jahr 1820 musste der Magistrat der neumärkischen Regierung Bericht darüber erstatten, ob auch Unterricht für jüdische Kinder notwendig sei. Der Bericht wörtlich: "Da die Zahl der jüdischen Familien zu gering ist, um den Unterricht auf eine zweckentsprechende Weise zu ordnen, so wird wohl diese Angelegenheit so lange auf sich beruhen müssen, bis sich die jüdische Gemeinde, was Gott verhüten wolle, vermehrt haben wird." Dieser Bericht zeigt, wie groß die Vorbehalte gegenüber den Juden zu dieser Zeit noch waren. Das sollte sich in den nächsten Jahren ändern, später wurde Julius Fürstenheim Stadtverordneter und Herr Dr. Schüler wurde Kommunalarzt, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Im Jahre 1849 lebten in Küstrin (Altstadt) ca. 14 jüdische Familien, in der kurzen Vorstadt 7 und im Kietz 1, zusammen etwa 80 Personen. In diesem Jahr verfügte die jüdische Gemeinde bereits über eine Schule, einen Friedhof in der kurzen Vorstadt sowie einen Tempel in der Bäckereigasse 8. Dieser Tempel war nur ein kleines Haus in der Nähe des Berliner Tores und der Bastion Königin. Dort wurden in der Zeit von 1815 bis 1884 die Gottesdienste abgehalten. Im Jahr 1884 wurde die Synagoge in der Bäckereigasse erbaut. Zur Gemeinde des Jahres 1849 gehörten neben dem Lehrer Hr. L. Golde auch die Gemeindevorsteher Abraham Franke und Salomon Fürstenheim, beides Kaufleute. Kassenführer der Gemeinde (Kassenrendant) war der schon sehr betagte Herr Baruch Schwabach.

Zu seinem 50jährigen Jubiläum als Bürger der Stadt wurde Salomon Fürstenheim am 16.03.1865 im Rahmen des Purimfestes von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, des Magistrats der Stadt und einigen Ratsherren geehrt. Von der Gemeinde bekam er ein Chomesch (?) mit 7 hebräischen Kommentaren als Prachtband und von der Stadt einen silbernen Pokal überreicht.

Salomon Fürstenheim betrieb zuerst (belegt um 1859) ein Tuch- Manufakturwaren- und Konfektions- geschäft, später wurde er Bankier und betrieb eine Bank in der Kietzer Straße 182, direkt am Marktplatz der Altstadt gelegen.

 


Im Jahr 1905 besaß die Gemeinde eine eigene Bibliothek mit etwa 60 Büchern. Bibliothekar war Sigismund Hartwich. Im selben Jahr erhielt die Bibliothek eine Beihilfe von 20 Reichsmark von der Synagogen-Gemeinde.

Am 14.03.1904 wurde aus angeblichen Tierschutzgründen vom Magistrat der Stadt ein Schächt-Verbot ausgeprochen. Die jüdische Gemeinde reagierte am 01.07.1904 mit einem Beschwerdeschreiben an den Regierungspräsidenten von Dewitz in Frankfurt (Oder). Selbiges soll wohl auch an den preußischen Kultusminister Konrad von Studt gegangen sein. Bis dahin hatte der Magistrat das Schächtverbot noch nicht veröffentlicht. Durch eine Polizeiverordnung durfte die jüdische Schlachtmethode ab August 1904 im städtischen Schlachthaus nicht mehr angewendet werden.

Am 14.11.1906 wurde das Schächtverbot auf Antrag der jüdischen Gemeinde von der Stadtverordnetenversammlung wieder aufgehoben. Doch schon am 3.12.1906, nach einer Rede des wohl als antisemiten bekannten Reichtagsmitglieds Fröhlich aus Potsdam, lehnte der Magistrat den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung ab. Dies geschah trotz des Eintretens des Ersten Bürgermeisters Securius für die jüdische Schlachtmethode. Zu diesem Zeitpunkt wurde in der Gemeinde auch darüber nachgedacht, ein eigenes Schlachthaus zu bauen und eine entsprechende Konzession beantragt. Die Auseinandersetzung ging weiter. Im Juni 1907 erklärte der Magistrat dann plötzlich, die Stadtverordnetenversammlung sei für solche Vorgänge gar nicht zuständig. Das rief wiederum erboste Stadtverordnete auf den Plan, die sich berschwerten, warum sie denn dann damit behelligt wurden. Über den Ausgang dieses Streits gibt die Quelle leider nichts mehr her, so dass das Ende erst einmal offen bleiben muss.

Bei den Abbrucharbeiten an den östlichen Wallanlagen der küstriner Altstadt im Jahre 1927 nahm die alte Synagoge in der Bäckereigasse solchen Schaden, dass sie gesperrt und abgerissen werden musste. In ihrem Schreiben vom 20.7.1927 bemängelt die Polizei, dass der Putz fast komplett abgefallen war und die nordöstliche Giebelwand einsturzgefährdet sei. Beanstandet wurde auch, dass durch die Bauarbeiten auch der Notausgang für die Sitzreihen in der ersten Etage verloren gegangen war und nur noch eine schmale Wendeltreppe für eventuelle Evakuierungen zur Verfügung stand. Zwei Tage zuvor, am 18.7.1927, hatte eine Begehung der Synagoge statt gefunden.

Durch eine Grundwasserabsenkung als Ergebnis der Schleifung der Festungsanlagen hatte auch das Fundament der Synagoge Schaden genommen. Man hatte als Stütze für die Synagoge noch einige kleine Teile des Walls stehen gelassen. Die Gemeinde bemängelte selbst auch das Fehlen von sanitären Anlagen, die Besucher mussten eine Toilette (neben einem Pferdestall und einer Jauchegrube gelegen) auf dem Nachbarhof benutzen. Diese alte Synagoge musste ab 01.01.1928 geschlossen bleiben. Ein Spendenaufruf für den Bau einer neuen Synagoge wurde durch die Gemeinde bereits im Jahr 1927 veröffentlicht. Die Ruine der alten Synagoge stand noch Anfang der 1930er Jahre und diente Kindern als Spielfeld.

Diese neuen Daten widerlegen auch einige Angaben aus dem weiter unten nachzulesenden Artikel aus der Gemeindezeitung der jüdischen Gemeinde Berlin, in dem steht "[...] in der Nähe des Hohen Cavaliers, einem Festungswerk Friedrichs des Großen, das, wie vor einiger Zeit in der Presse ausführlich beschrieben, gesprengt wurde. Durch diese Arbeiten wurde das Fundament der alten Synagoge so erschüttert [...]". Dies ist falsch, denn der Hohe Kavalier wurde erst 1930/31 abgerissen. Die Schäden müssen also bei den Abrissarbeiten an der Bastion Königin und/oder der umgebenen Kurtinen aufgetreten sein.

Durch Spenden und durch einen Grundstücksverkauf wurde ein Neubau in der Stülpnagelstraße 10 in der Nähe der Mädchenschule ermöglicht. Zur Einweihung 1934 - also bereits nach der Machtübernahme der Nazis - wurde ein Artikel im Gemeindeblatt der jüdischen Gemeinde in Berlin veröffentlicht. Da dieser Artikel sehr authentisch ist, habe ich mich dazu entschlossen, den kompletten Text an dieser Stelle wieder zu geben:

In Küstrin wurde eine neue Synagoge eingeweiht. Dieses in der heutigen Zeit recht bedeutsame Ereignis zeigt, was Opfersinn, Bereitschaft für das Judentum und der Wille, seine Güter zu wahren, zu leisten vermögen. Die in den letzten Jahrzehnten kleiner gewordene Gemeinde Küstrin besaß seit dem Jahre 1884 ein geräumiges großes Gotteshaus an der Festungsmauer der alten Stadt, in der Nähe des "Hohen Cavaliers", einem Festungswerk Friedrichs des Großen, das, wie vor einiger Zeit in der Presse ausführlich beschrieben, gesprengt wurde.

Durch diese Arbeiten wurde das Fundament der alten Synagoge so erschüttert, daß sich bald Mauerrisse sehr großer Art bemerkbar machten, die es der Baupolizei für geboten erscheinen ließen, die Benutzung des Gotteshauses, wegen der damit verbundenen Lebensgefahr, zu unterbinden.

Hierdurch wurde die Frage eines Neubaues der Synagoge im neuen, der Mehrzahl der Gemeindemitglieder mehr zusagenden Teil der Stadt wieder akut. Sammlungen und Spenden, die zu diesem Zweck schon früher eingeleitet wurden, hatten bereits zu einem Grundstückserwerb in der Neustadt geführt; jedoch reichten diese nicht aus, um den projektierten Bau auszuführen. Die Durchführung der Gottesdienste erfolgte mittlerweile unter Leitung des sehr rührigen Lehrers und Kantors Loewy in Privatwohnungen.

Vor etwa 3/4 Jahren wurde nun auf Betreiben des Gemeindevorsitzenden, des Herrn Jacob Müller, früheren Stadtrat und Vorsitzenden der Ortskrankenkasse Küstrin, der Plan gefaßt, unter Verwendung der Steine des alten Tempels auf Grund des Gesetzes zur Arbeitsbeschaffung das Gotteshaus zu errichten.

So konnte also in Gegenwart der Gemeinde und von Abordnungen der Gemeinden Berlin, Frankfurt/Oder, Landsberg, Müncheberg die feierliche Einweihung vorgenommen werden. Die Gemeinde Frankfurt/Oder stellte Chor und Kantor zur Verfügung. Aus Berlin waren anwesend die Rabbiner Dr. Salomonski, Dr. Wiener, aus Frankfurt/Oder Dr. Maybaum. Nach der Schlüsselübergaben des Baumeisters an den Vorsitzenden, Herrn Jacob Müller, vor der Synagoge und nach einigen Worten des Herrn Müller, wurden vor versammelter Gemeinde die Thora-Rollen eingeführt. Das Ner Tomid entzündete Rabbiner Dr. Salomonski, die Weihepredigt hielt Kantor Loewy - Küstrin.

Bei einer nachfolgenden Kaffeetafel im Victoria-Hotel sprachen außer den genannten Rabbinern noch der Vertreter der Landsberger Ortsgruppe des Frontbundes, Dr. Kann, Dr. Mischkowski - Küstrin für die Küstriner zionistische Arbeitsgemeinschaft, für die Küstriner Jugend Herr Hirschfeld junior, sowie Gemeindevertreter aus Landsberg und ein Beauftragter des Preußischen Landesverbandes. Es verdient noch hervorgehoben zu werden, das durch den Bau der neuen Synagoge Küstrin keinerlei Belastung für die Gemeinde entstanden ist, da die Baukosten, durch den vor wenigen Tagen stattgefundenen Verkauf eines der Gemeinde gehörigen Grundstücks, bezahlt werden konnten.
Neu im Gotteshaus sind die silbernen Leuchter, eine Stiftung, die die Kinder des Herrn Jacob Müller, zum Andenken an die verstorbene Mutter, Eugenie Müller, gemacht haben.

Dr. E. Grünthal.

Der Synagogen-Neubau in Küstrin war der Einzige während der NS-Zeit. Im Artikel wird auch die Kaffeetafel im Viktoria-Hotel in der Bahnhofstraße erwähnt. Mündlich überliefert ist noch folgendes: Nur durch einen Flur getrennt, feierte wohl zur gleichen Zeit dort die Küstriner NSDAP-Ortgruppe ihr zehnjähriges Bestehen. Das kann ich so nicht bestätigen. "Zehnjähriges Bestehen" ist definitiv falsch, die Feier dieses zehnjährigen Bestehens wird im Königsberger Kreiskalender von 1939 im Rahmen eines Kreistages des NSDAP Anfang August 1938 in Küstrin erwähnt, die Wahlergebnisse der Reichstagswahlen in der Weimarer Republik untermauern dies, da die Nazi-Partei in Küstrin zum ersten Mal im Jahr 1928 mit 179 erhaltenen Stimmen genannt wird.

Viele jüdische Einwohner verließen schon zu Beginn der Nazi-Herrschaft die Stadt. Die Verbliebenen bekamen auch die Repressalien der Nazis zu spüren. Die Berufsausübung der jüdischen Einwohner wurde stark eingeschränkt und zu Geschäftsboykotten aufgerufen.

Im Herbst 1934 wurden - wie mehrere Quellen übereinstimmend berichten - SA-Leute vor den jüdischen Geschäften aufgestellt, um die deutschen Kunden zu fotografieren, die noch dort einkauften. "An prominenter Stelle" wurde zur gleichen Zeit eine Tafel mit dem Namen und dem Beruf aller Juden der Stadt aufgestellt, dort sollten die Deutschen nicht mehr einkaufen. Durch die Tafel sollte keiner mehr sagen können, er hätte nicht gewusst, das derjenige ein Jude sei.

Während einer Verhaftungswelle im November 1938 starben wohl in Küstrin 4 jüdische Einwohner*. Arthur Danziger, der Inhaber des Kaufhauses Danziger wurde ausgebürgert und sein Vermögen fiel laut Feststellungsbescheid des Chefs der Sicherheitspolizei vom 13.2.1943 "dem Reich zu". Er war in der Stadt ein sehr geschätzter und auch beliebter Mann, er hatte z.B. vielen mittellosen während der Wirtschaftskrise Kredit gewährt. So geschah es, dass keiner der Küstriner Kaufleute das Kaufhaus übernehmen wollte, so das letztendlich die Stadtwerke darin untergebracht wurden. Diese hatten ihren Sitz vorher im Rathaus schräg gegenüber. Die Familie Danziger konnte die Stadt zum großen Teil verlassen, im Adressbuch 1939/40 findet sich nur noch eine Witwe namens Rosalie Danziger. Zu den mündlichen Überlieferungen zählt auch, das einige Küstriner auch später, wenn sie zu den Stadtwerken gingen, noch sagten, sie gingen zu Danziger. Zur jüdischen Gemeinde gehörte auch Dr. Richard Asch (Landsberger Straße 7), ein Arzt der immer wieder auch SA-Mitglieder behandelte. Er konnte nach England fliehen.

Die erst 1934 eingeweihte Synagoge fiel wie so viele andere in der Reichskristallnacht am 9. November 1938 den Flammen zum Opfer. Danach setzte eine weitere Auswanderungswelle ein, auch z.B. die Familie Hartwich (Getreidehandlung) aus der Schiffbauerstraße verließ die Stadt. Aus der Reichskristallnacht ist der folgende Bericht einer christlichen Familie aus der Stülpnagelstraße überliefert:

Seit 1935 wohnten wir in Küstrin, Stülpnagelstrasse 9 im Hause des Herrn Neugebauer, also direkt neben der Synagoge.

Am 9.11.1938 bemerkten meine Eltern das Feuer in der Synagoge. Mein Vater rief die Feuerwehr an und forderte zum Löschen auf. Er wies auch auf die Teer- und Dachpappenfabrik hin.

Meine Eltern beobachteten das Feuer. Da sehen sie, dass man unseren Nachbarn, Herrn Rechtsanwalt Dr. Neumann, an Armen und Beinen zu der brennenden Synagoge schleppte. Dann wurden seine Arme losgelassen, so dass er mit dem Kopf aufschlug.

Daraufhin ging mein Vater - in der Uniform der Wehrmacht - (er war Oberstleutnant und Kommandeur des Ergänzungsbataillons) durch den Vorgarten der Synagoge, wo sich eine Menschenmenge versammelt hatte. Durch die folgende Diskussion konnte sich Herr Dr. Neumann entfernen.
Im Laufe des Geschehens wurden Schüsse abgefeuert, die zwischen der Wohnung des Hausbesitzers Neugebauer und unserer einschlugen.

Herr Dr. Neumann lief zum Haus von Herrn Neugebauer, in dem er gewohnt hatte, bevor er nebenan ein Haus baute. Er trat in das Haus ein. Meine Mutter kam ihm entgegen. Ihr folgten mein Bruder und dann das Hausmädchen. Dr. Neumann rief meiner Mutter zu: "Retten Sie mich" und sie antwortete: "Keller".

Daraufhin ging er in die Kellerwohnung des Hausmeisters Redlich und seiner Frau. Die SS, die kurz darauf nach ihm suchte, fand ihn nicht.

Als Herr Dr. Neumann am nächsten Morgen zu seiner Villa zurückkehren wollte, wurde er festgenommen.

Wir erfuhren später, dass er in einem KZ war, sein Haus verkaufen musste und dann mit seiner Familie ausreiste. (Shanghai)

Dieser Bericht beruht auf der Aussage meiner Mutter.

Dieser Rechtsanwalt Dr. Siegfried Neumann schreibt über die Reichskristallnacht in seinem Artikel "Vom Kaiserhoch zur Austreibung - Aus den Aufzeichnungen eines jüdischen Rechtsanwalt" in "Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament" vom November 1976 recht ähnlich über die Vorkommnisse. Man schleifte ihn über die Straße, um ihn in die brennende Synagoge zu werfen. Er zeigte im letzten Moment dem SS-Mann sein Eisernes Kreuz und das Ehrenkreuz für Frontkämpfer aus dem ersten Weltkrieg, in dem er Kriegsfreiwilliger gewesen war. Dieser SS-Mann gab daraufhin Herrn Dr. Neumann eine kurze Chance zu fliehen, so dass er sich in den Keller retten konnte und nicht gefunden wurde. Er berichtet weiterhin, dass die anwesende Feuerwehr das Feuer erst löschte, nachdem wie im Erlebnisbericht oben geschrieben, der Herr mit der Wehrmachtsuniform (Herr Neumann schreibt von Reichswehr), den Feuerwehrleuten das Löschen befahl. Bei diesem Artikel von 1976 handelt es sich um einen Ausschnitt aus seinem Buch "Nacht über Deutschland. Vom Leben und Sterben einer Republik".